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Fahrbericht

Opel Grandland X Hybrid 4: Ein großes Land, ein kleiner Tank

Motorhaube und Dach in Schwarz abgesetzt – das gibt’s beim Opel Grandland X gegen Aufpreis. Die Hybrid4-Variante hat 300 PS, Allrad und fast volle Ausstattung.
Motorhaube und Dach in Schwarz abgesetzt – das gibt’s beim Opel Grandland X gegen Aufpreis. Die Hybrid4-Variante hat 300 PS, Allrad und fast volle Ausstattung.Heidrun Henke
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Das Prinzip Plug-in-Hybrid steht mit dem Opel Grandland X Hybrid 4 einmal mehr auf dem Prüfstand – mit erwartbarem Resultat auf längeren Strecken.

Wien/Triest. Seit Ende 2017 ist der Grandland X auf dem Markt und erlöste die Marke von ihren quälendsten Phantomschmerzen. Denn der Vorgänger Antara, ein liebloses GM-Derivat, hatte in dem Boom-Segment praktisch nichts zu melden, man konnte es verstehen.

Als Teil der PSA-Gruppe hingegen wurde Opel auf dem schnellsten Weg eine ordentliche Plattform für ein ebensolches Auto zuteil, mittlerweile genutzt von Peugeot 3008/5008, DS7 Sportback und Citroën C5 Aircross. Prompt startete der Grandland durch – zu einem der Bestseller der Marke.

Die Scharte, dass ein Opel in einem französischen PSA-Werk gebaut wird – wen es denn stören sollte –, ist mittlerweile auch ausgewetzt, denn der knapp viereinhalb Meter lange Crossover rollt seit dem Vorjahr bei Opel in Eisenach vom Band. Und neuerdings auch als Plug-in-Hybrid (PHEV).

Die Peugeot-Variante davon hatten wir unlängst zu Gast, und viele technische Komponenten sind naturgemäß gleich – neben erwähnter Plattform mit exakt gleichem Radstand auch der gesamte Doppel-Moppel-Antriebsstrang.

Eine gute Gelegenheit, sich das Plug-in-Prinzip ein weiteres Mal zu Gemüte zu führen – und verbliebene Opel-Spezifika im Konzernprodukt auszumachen. Diese wären hauptsächlich das Styling von Ex- und Interieur: Außen folgen die beiden Marken ihren jeweiligen Looks, und wo Peugeots 3008 mächtig aufdreht, bei der Gestaltung eines überaus verspielten Cockpits, ist der Opel betont sachlich und konventionell. Was manchen lieber sein mag.

Der Effekt jedweder Klimarettung durch PHEVs darf einmal mehr bezweifelt werden, vielmehr soll die Gattung auf rein rechnerische Weise die CO2-Bilanz der Hersteller retten. Wie auch bei anderen Marken üblich, ist der Stecker-Hybride als Spitzenmodell positioniert, berufen durch 300 PS Systemleistung (von denen zwei Drittel vom Benzinmotor stammen), Allradantrieb (den beim Hybrid4 ein zweiter E-Motor an der Hinterachse darstellt) und vor allem durch den Preis, der jenen des Einstiegs-Grandland mühelos verdoppelt, obwohl der Staat schon auf die NoVA verzichtet.

Der Fahrbetrieb kann als vergnüglich gelten. Tadellos die Ergonomie am Fahrersitz (SUV-typisch mau die Rundumsicht, aber das stört offenbar niemanden), geschmeidig der elektrische Vortrieb, solo bis gut 40 km bei vollem Akku. Selbst wenn keine Ladesäule verfügbar ist, kann geladen werden: Per Bordmenü wird die Zahl der gewünschten Reichweiten-Kilometer eingestellt; die Rechnung geht freilich an den Benziner, der die Ladeleistung erbringt.

Im täglichen Stadt- und Pendelverkehr mag man darauf verzichten können, sofern man regelmäßig zum Anstecken kommt.

Die exzellenten Sitze mit AGR-Gütesiegel schreien aber nach der Langstrecke, nach Urlaubs- und Wochenend-Ausfahrten. Platzmäßig wäre dagegen beim Grandland X, der seriös als Fünfsitzer gelten darf, erst recht nichts einzuwenden. Dann aber erhält man erwähnte Rechnung, die in unserem Fall bei 7,4 Liter/100 km lag.

Schnell unterwegs laden kann man übrigens eher vergessen, da die Ladeleistung selbst mit 7,4-kW-Option gegen Aufpreis (Standard: 3,3 kW) zu gering ist. Stattdessen ergibt sich ein anderes Reichweitenthema: Der Benzintank fasst mickrige 43 Liter, zehn weniger als beim konventionellen Grandland.

OPEL GRANDLAND X HYBRID 4

Maße L/B/H 4477/1856/1609 mm. Radstand 2675 mm. Ladevolumen 514–1652 l. Leergewicht 1875 kg (EU).

Antrieb R4-Zylinder-Otto-Turbo, 1598 ccm, max. 147 kW (200 PS). Elektromotor vorn 81,2/hi. 83 kW. System: max. 221 kW (300 PS), max. 520 Nm. 0–100 in 6,1 sec. Vmax 235 km/h (elektr.: 135 km/h). Allrad, Achtgangautomatik.

Testverbrauch 7,4 l/100 km.

Preis ab 47.489 Euro.

Compliance-Hinweis:
Die Reisen zu Produktpräsentationen wurden von den Herstellern unterstützt. Testfahrzeuge wurden kostenfrei zur Verfügung gestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2020)