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Mein Freitag

In Corona sind wir alle zu Hause geblieben

Vor Corona war alles anders.
Vor Corona war alles anders.Die Presse / Clemens Fabry
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Man hat das Bedürfnis, Dinge einzuordnen, zur Not mit einer neuen Jahreszeit.

Die besten Ausdrücke fallen in Gesprächen, die man zufällig mitbekommt. „In Corona“ erzählt das Kind seiner Oma beim Spazierengehen, „in Corona haben wir immer hier gespielt.“ Corona, das ist der Lockdown, es ist so etwas wie eine fünfte Jahreszeit in diesem Jahr geworden, die Zeit, als die Straßen leer waren und die Geschäfte zu. Als am Küchentisch gearbeitet, gelernt, gespielt, gestritten und gegessen wurde, meistens alles gleichzeitig.

Viele Erwachsene nützen „vor Corona“ und „nach Corona“ um die Zäsur zu markieren, als sich das Leben veränderte. Niemand sagt „mitten in Corona“. Wir gehen davon aus, dass der böseste Spuk vorbei ist. Wir gehen davon aus, dass es Herbst und Winter wird, ohne eine Nachsaison, an die keiner auch nur denken will.

„Happy Corona“, sagen Jugendliche, bewusst sarkastisch, wenn sie sehen, wie sich andere nicht an Maßnahmen halten oder wenn jemand herzhaft niest. Happy Corona heißt es offenbar auch im Konzertsaal, wo ein Großteil des gesetzten Publikums fest entschlossen ist, die Zeit der Entbehrung hinter sich zu lassen. Es wird gejubelt und geschrien, dass die Aerosole nur so tanzen. Über die Jugendlichen, die am Donaukanal unter freiem Himmel feiern, wird dann bei Brötchen und Sekt (vorbestellt, Schlange vermeiden) in der Pause hergezogen.

Irgendwann wird es vielleicht heißen, dass alles halb so schlimm war und viele maßlos übertrieben haben. So wie damals, als die Wälder nicht gestorben sind und der Regen gar nie sauer war. Dass damals ziemlich rasch der Katalysator verpflichtend wurde und Benzin bleifrei, wird geflissentlich übergangen. So erzählt jeder seine Geschichte, so gut er kann. Man sollte nur nicht darauf drängen, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, die einen nicht, die anderen aber auch nicht.

E-Mails an:friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2020)