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Huawei verbannt Google

Der Handyhersteller plant ein eigenes Betriebssystem.
Der Handyhersteller plant ein eigenes Betriebssystem.REUTERS
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Der Handyhersteller plant ein eigenes Betriebssystem.

Shenzhen/Mountain View. Ausgerechnet „Harmony“ soll das eigene Betriebssystem von Huawei heißen. Die USA versuchen mit aller Macht den chinesischen Konzern aus dem Markt zu verdrängen. Doch dieser Schuss könnte nun nach hinten losgehen.

Der weltweit zweitgrößte Smartphone-Hersteller will Google von seinen Handys verdrängen. Schon im kommenden Jahr werde Harmony auf den Markt gebracht, kündigte der für die Verbraucherelektronik verantwortliche Manager Richard Yu auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz an. Der Android-Wettbewerber werde auf Smartphones, Tablets und Laptops laufen.

Eine Abkehr von dem Google-System Android zeichnet sich seit einiger Zeit ab. Seitdem Huawei wegen Sicherheitsbedenken der Amerikaner auf der schwarzen Liste der US-Regierung steht, darf Google unter anderem keine technische Unterstützung für neue Handymodelle mehr leisten. Dies wirkte sich auch auf den Umsatz der Chinesen in Nordamerika aus.

Donald Trump sieht in Huawei den „verlängerten Arm des chinesischen Überwachungsstaates“. Erst im August hat die US-Regierung ihre Sanktionen gegen Huawei verschärft. Chipherstellern ist es nun bei Strafandrohung untersagt, Chips mit US-Technologie an Huawei zu verkaufen.

Analysten zufolge könnte das Smartphone-Geschäft in die Knie gezwungen werden. Denn so wird es für Huawei praktisch unmöglich, weiterhin konkurrenzfähige Chips herstellen zu lassen. Jetzt sind Huaweis Chip-Lager noch voll. Wird der US-Bann aber nicht aufgehoben, dürfte Huawei spätestens im kommenden Jahr ernste Probleme bekommen. Profiteure wären Apple und Samsung. Auch Xiaomi findet immer mehr Beachtung. Besonders die jüngere Generation mit knappem Budget könnte künftig zum Huawei-Konkurrenten greifen. Auf dem globalen Smartphone-Markt ist der chinesische Hersteller bereits die Nummer vier hinter Apple. Xiaomis Umsätze in Europa schnellten um 65 Prozent in die Höhe, während Huaweis Erlöse um 17 Prozent schrumpften.

Das rabiate Vorgehen Trumps gegen Huawei beschwört einen „kalten Krieg“ im Technologiesektor herauf. Schlussendlich könnten es aber US-Firmen sein, die in die Schusslinie des chinesischen Staates geraten. Bereits im Mai soll die Kommunistische Partei erwogen haben, Apple auf eine Liste von unzuverlässigen Unternehmen zu setzen. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2020)