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Geschichte

Donaulimes als Freizeitvergnügen

Touristen sollen für Zusammenhänge, also für die Donaulandschaft, für erhaltene bauliche Zeichen der römischen Grenzlinie (im Bild: Traismauer) und Römermuseen, begeistert werden.
Touristen sollen für Zusammenhänge, also für die Donaulandschaft, für erhaltene bauliche Zeichen der römischen Grenzlinie (im Bild: Traismauer) und Römermuseen, begeistert werden.Elena Zaunschirm
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Insgesamt beteiligen sich zehn Länder an dem EU-Forschungsprojekt „Living Danube Limes“. Unter Leitung der Donau-Uni Krems wird eine umfassende Gesamtschau der römischen Grenzlinie samt den heute noch bestehenden Zeugnissen dieser Epoche erarbeitet.

Es überrascht etwas, dass der römische Limes – auch nicht die seinerzeitige bedeutende Militär- und Handelsmetropole Carnuntum – bis jetzt noch nicht als Unesco-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. „Seit dem Jahr 2013 planen wir, den Limes als gesamtes für die Nennung als Welterbe zu erreichen“, sagt die Althistorikerin Anna Kaiser. Im Vorjahr wurde bei der Unesco-Jahressitzung des Welterbekomitees der Antrag behandelt, nun wartet man auf eine Aufnahme in die Liste.

Kaiser, die an der Donau-Uni Krems das Zentrum für Kulturgüterschutz leitet, ist für das EU-Projekt „Living Danube Limes“ verantwortlich. Das Projektkonsortium umfasst 19 universitäre, staatliche und regionale Projektpartner aus zehnLändern sowie 27 assoziierte strategische Partner. In dem bis Ende 2022 laufenden Vorhaben werden die Bereiche Archäologie, Altertumsforschung, Technik, Architektur, Virtual Reality, Museumsbetrieb, Tourismuswirtschaft, Kulturgüterschutz und Living History abgedeckt. Das EU-Projekt ist mit 3,2 Mio. Euro budgetiert.

30 Fundorte in Österreich

Die bekanntesten Zeugnisse im österreichischen Abschnitt des Limes sind wohl Carnuntum, Vindobona, Lauriacum und das Kleinkastell an der Schlögener Schlinge. Insgesamt können heute noch in Österreich Zeugnisse von an die 30 Bauten bzw. Fundorte an der römischen Donaugrenze verortet werden. Wie viele es im gesamten Verlauf der 2875 Kilometer langen Donau sind, kann Kaiser noch nicht sagen. Sicher mehrere Hunderte, „die einzelnen Donauländer arbeiten jetzt gerade an einer detaillierten Aufstellung“. Die Römer haben Bauwerke vom Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. angelegt. Im österreichischen Abschnitt stammen die ersten Zeugnisse an der Donaugrenze aus der Zeit von Kaiser Claudius (als Imperator 41 bis 54 n. Chr.). Die ersten Erd-Holz-Lager wurden bald durch Befestigungsanlagen aus Stein ersetzt.

Mit dem EU-Projekt soll das römische Erbe am Donaulimes erhalten und zugleich touristisch genutzt werden. Und da geht es nicht nur um damals glänzende Städte wie Carnuntum, das in seiner Blütezeit etwa 50.000 Bewohner in der Zivilstadt und 6000 Mann im Legionslager zählte. Manche Zeugnisse werden heute nicht aus der Römerzeit wahrgenommen wie etwader Salzturm in Traismauer, der noch Jahrhunderte nach den Römern als Wehrtum genutzt wurde. Oder der quadratische Burgus in Bacharnsdorf (Gemeinde Rossatz), an den ein Wohnhaus angebaut wurde.

Die Gesamtschau des Donaulimes bis zum Donaudelta wird auch einige historische Forschungslücken schließen und das Verbindende des gesamten Donauraums über mehrere Epochen herausarbeiten. Letzten Endes soll, so die Projektbeschreibung der Donau-Uni Krems, „eine europäische Kulturroute entlang des Donaulimes entstehen und für nachhaltige Kulturkonzepte genutzt werden“. Dazu Althistorikerin Kaiser: „Nachhaltig bedeutet: Weg von großen Kreuzfahrtschiffen und Kurzbesichtigungen.“ Touristen sollten sich für die Zusammenhänge, also für die Donaulandschaft, für erhaltene bauliche Zeichen und Römermuseen, interessieren und vor allem auch länger in der jeweiligen Region bleiben.

Römerschiff in der Gegenwart

Eine besondere Attraktion steuert die Universität Erlangen-Nürnberg bei. Hier wird ein römisches Donauschiff, wie es im 4. Jahrhundert gebaut wurde, mit den historischen Werkzeugen gefertigt. Ein „Schwesternschiff“ nach Plänen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. – ein Segelboot mit einem zehnköpfigen Ruderteam – wurde bereits gebaut. „Bei diesen Schiffen handelte es sich um Patrouillenboote, die die Donau und ihre damals zahlreichen Seitenarme bewachten“, sagt Kaiser. In zwei Jahren wird das Römerschiff zur Verfügung stehen und bei der Eröffnungsfahrt bis zum Schwarzen Meer unterwegs sein. Dann soll, so der Plan, das Schiff für jeweils ein Jahr als „touristisches Museum“ (Kaiser) einem der Donauländer bereitgestellt werden.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2020)