ORF-Radiodirektor Mitsche verlässt Geschäftsführung

Willy Mitsche
Willy Mitsche(c) APA (Helmut Fohringer)
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Nach einer schweren Herzerkrankung verabschiedet sich der BZÖ-Wunschkandidat Willy Mitsche aus der ORF-Geschäftsführung. Sein Nachfolger soll der SPÖ-Favorit Karl Amon werden.

Unlängst ließ Willy Mitsche noch wissen, er fühle sich „besser, als es mir manche wünschen" - und wolle bis zur nächsten ärztlichen Untersuchung im Herbst bleiben, da er sich gesundheitlich durchaus in der Lage fühle, sein Amt auszuüben. Am Montag hatte er es sich doch anders überlegt: Aus dem ORF wurde bekannt, dass der Radio-Direktor aus der Geschäftsführung ausscheidet und sich um Radioplanungsaufgaben kümmern soll. Aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt - Mitsche hatte im vergangenen Jahr eine schwere Herzerkrankung erlitten und war erst im Juni nach einem fast einjährigen Krankenstand auf den Chefsessel zurückgekehrt.

Bereits am Mittwoch wird der Posten nun im Amtsblatt der „Wiener Zeitung" ausgeschrieben - rechtzeitig, um einen Nachfolger schon in der ersten Sitzung des ORF-Stiftungsrats am 9. September wählen zu können.

Die SPÖ will Karl Amon

Beobachter führen die Entscheidung Mitsches allerdings weniger auf dessen angeschlagene Gesundheit als vielmehr auf die Hebelwirkung der politischen Kräfte zurück. Das SPÖ-regierte Bundeskanzleramt wünscht sich einen Vertrauten auf dem Posten - Mitsche kam einst auf Wunsch des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (BZÖ) auf den Posten. Und wieder wird (wie schon bei der Diskussion um eine mögliche vorzeitige Ablöse von ORF-General Alexander Wrabetz im Vorjahr) TV-Chefredakteur Karl Amon als Favorit für die Nachfolge genannt.

Die Opposition hatte den sich abzeichnenden Deal bereits im Vorfeld als „widerlichen Postenschacher" (FP-Generalsekretär Herbert Kickl) und „Beleg für die unwürdige Personalpolitik im ORF" (so der ORF-Sprecher der Grünen, Dieter Brosz) kritisiert. Auch aus der Belegschaftsvertretung kamen Anschuldigungen: Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser meinte, es sei „ungeheuerlich, dass wohlbestallte Direktoren auf Ablöseangebote warten" - sollten hinter der Rochade Wünsche von Parteien stehen, „dann mögen sie auch die Kosten für solche Kuhhändel übernehmen". Mitsche wird dem Vernehmen nach auf die Abfindung bzw. Abfertigung seines Direktorenvertrags verzichten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2010)

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