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Pandemie

Corona: Israel steht vor neuem totalen Lockdown

Im Freien betender orthodoxer Jude in Israel (Symbolbild).REUTERS
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Wegen explodierender Fallzahlen dürfte das Land kommende Woche erneut „eingefroren" werden. Ein Drei-Phasen-Plan muss am Sonntag noch von Regierung gebilligt werden.

Da die Corona-Zahlen in Israel nach einer langen Phase der Erholung wieder immer weiter steigen, steht dort schon kommende Woche ein neuer totaler Lockdown bevor. Das Gesundheitsministerium teilte am Freitag mit, am Vortag seien in dem Neun-Millionen-Land 4146 neue Fälle registriert worden. Damit wurde den vierten Tag in Folge der jeweils höchste Ein-Tages-Wert seit Beginn der Pandemie verzeichnet.

In der Nacht auf Freitag hatte das „Corona-Kabinett", ein Gremium aus Experten, Beamten und Politikern, angesichts des Anstiegs erneut striktere Ausgangsbeschränkungen beschlossen. Der Drei-Phasen-Plan muss allerdings am Sonntag noch von der Regierung gebilligt werden.

Nur 500 Meter Ausgang

Die Nachrichtenseite ynet berichtete, es werde auch ein weitgehender Stopp des Flugverkehrs erwogen. Die Entscheidung des Corona-Kabinetts sieht zunächst Ausgangsbeschränkungen vor. Man darf sich dann maximal 500 Meter vom Zuhause entfernen. Schulen und Kindergärten sollen geschlossen werden, auch Restaurants und die meisten Geschäfte. Gebete sollen nur im Freien erlaubt sein. Nach Medienberichten soll diese Phase zwei Wochen dauern und vor dem jüdischen Neujahrsfest kommenden Freitag beginnen.

In einer zweiten Phase sollen Fahrten zwischen Wohnorten und Versammlungen eingeschränkt werden. Restaurants und Geschäfte sowie Einkaufszentren sollen geschlossen bleiben, ebenso wie Schulen und Kindergärten. Schüler von der fünften Klasse an sollen Fernunterricht über Zoom erhalten. Nur ein Teil der Angestellten darf zur Arbeit gehen, die Menschen sind angewiesen, möglichst im Homeoffice zu arbeiten. Auch diese Phase soll zwei Wochen dauern. Anschließend ist eine Rückkehr zu den aktuell geltenden milderen Beschränkungen geplant, falls die Infektionszahlen wie erhofft sinken.

Das Finanzministerium soll ein Hilfspaket ausarbeiten, um wirtschaftliche Schäden für Unternehmer und Bürger abzufedern. Die Corona-Krise hat der Wirtschaft des Landes schwer zugesetzt. Die Arbeitslosigkeit in Israel lag im Sommer bei mehr als 20 Prozent.

Anfangs sehr erfolgreich

Die Pandemie war in Israel zunächst glimpflich verlaufen, auch wegen eines früh einsetzenden und strikten Kurses der Regierung, dem unter anderen Österreich rasch ebenfalls folgte. Nach raschen Lockerungen im Mai schnellten die Fallzahlen jedoch wieder in die Höhe.

Der Erreger Sars-CoV-2 ist seit Beginn der Pandemie bei 147.379 Menschen in Israel nachgewiesen worden. 1086 sind daran gestorben. Österreich (rund 8,9 Millionen Einwohner) verzeichnet bisher „nur" etwa 32.000 bekannte Fälle und 750 Todesopfer. Aktuell nimmt die Zahl der bekannten Neuinfektionen wieder kräftig zu, mit Werten von 500 und darüber.

(APA/DPA)