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Zulieferer: Fast ein Drittel plant Personalabbau

Die Coronakrise trifft die Autohersteller schwer.
Die Coronakrise trifft die Autohersteller schwer.imago images/photothek
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Die Coronakrise trifft die Autohersteller schwer, noch schlimmer leidet die heimische Zulieferindustrie.

Wien. Der Automarkt bricht in der Coronakrise massiv ein, die Hersteller können einen guten Teil ihrer Autos nicht verkaufen – also bauen sie weniger. Und das trifft in erster Linie die Zulieferindustrie, die massiv unter Auftragsrückgängen leidet.

Eine Blitzumfrage der Arge Automotive Zulieferindustrie im August in Österreich zeichnet ein dramatisches Bild: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen rechnen heuer mit einem Umsatzrückgang, für 50 Prozent der befragten Unternehmen wird der Umsatz 20 bis 30 Prozent unter den ursprünglichen Planungen für 2020 liegen. Die Folge: 26,7 Prozent der befragten Firmen beantworten die Frage, ob sie einen Personalabbau planen, klar mit „Ja“. Weitere 26,7 Prozent mit „Noch nicht sicher“.

Wie schlecht sich die Personalsituation in den vergangenen Jahren entwickelt hat, kann man allein an der offiziellen Statistik der Wirtschaftskammer sehen. 2018 wurde die Zahl der in der heimischen Zulieferindustrie beschäftigten Personen noch mit 80.150 angegeben. Ende 2019 listet man 74.000 Personen auf. „Die Stimmung ist generell schlecht, nicht nur wegen Corona“, sagt Arge-Geschäftsführer Clemens Zinkl. „Es geht auch um den Umbau der Fahrzeugindustrie, beispielsweise weg vom Verbrenner, hin zum Elektroauto.“ Damit würden etliche Zulieferunternehmen in Österreich Aufträge verlieren.

Die immer wieder genannte Zahl, wonach 20 bis 30 Prozent der Zulieferer wirtschaftlich nicht überleben werden, will Zinkl nicht bestätigen. „Ich höre diese Zahl in der Branche auch immer wieder, aber es gibt dafür keine handfeste Grundlage.“ Eine Bereinigung werde es aber auf jeden Fall geben.

Im vergangenen Jahr waren etwa 900 Unternehmen in Österreich in der Auto-Zulieferindustrie tätig. Der Produktionswert lag bei 24 Milliarden Euro. Indirekt sicherten die Zulieferer laut Zinkl 210.000 Arbeitsplätze in Österreich (zusätzlich zu den 74.000 direkt Beschäftigten). Der Arge-Geschäftsführer befürwortet einen „Autogipfel“ mit Industrie und Wirtschaft, um die Lage zu besprechen und Lösungen zu finden. Eine Kaufprämie sei nur bedingt hilfreich, weil „die Förderung von fertig gebauten Autos den Zulieferern nichts bringt“. (rie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2020)