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Landesgalerie NÖ

Krems: Trümmerfeld der Träume

Im Video „Reverse Privilege“ verändert Alaa Alkurdi mit seinen Masken die Art unserer Wahrnehmung.
Im Video „Reverse Privilege“ verändert Alaa Alkurdi mit seinen Masken die Art unserer Wahrnehmung.Alkurdi
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Die neue Gruppenausstellung „Spuren und Masken der Flucht“ gibt der Empathie zu wenig Raum.

Da schwebt sie plötzlich vor einem, die Idee dieses fiktiven Dorfs im Dschungel, Macondo, dem Gabriel García Márquez „100 Jahre Einsamkeit“ aufgebürdet hat. Gegründet von einem Flüchtenden, gedieh es erst, um grausam wieder unterzugehen. Macondo heißt also nicht zufällig Wiens älteste Flüchtlingssiedlung, in den Siebzigerjahren von chilenischen Flüchtlingen so benannt.

Kein Wunder, dass eine junge chilenische Künstlerin, Camila Lobos Díaz, dieses Macondo Simmerings aufsuchte, dort Bruchsteine sammelte, um sie wie ein Trümmerfeld der Träume an Nylonfäden von der Decke hängen zu lassen. Doch nicht nur dieser prekäre Sehnsuchtsort schwebt hier, in der Tageslichthalle der Landesgalerie NÖ in Krems, in der die Gruppenausstellung „Spuren und Masken der Flucht“ beginnt. Auch sämtliche andere Füße, von denen man rundum viele entdeckt, erreichen den Boden nie. Die derben Figuren etwa auf den Holzschnittplatten, aus denen Olga Georgieva ihr Häuschen baute. Späht man durchs Fenster, kann man intime Szenen entdecken, aber auch Motive des Alltags, des Nichtstuns. Es war diese alte Technik, die der Bulgarin ein Gefühl der Sicherheit gab, als sie Mitte der 2000er-Jahre in Wien zu studieren begann, erfährt man.