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Wetten, dass Vettel der Gewinner ist?

Die Formel 1 ist mit dem verrückten Monza-GP zumindest einmal ihrer Monotonie davongefahren. Doch der nächste Hit folgte sogleich, Sebastian Vettel wechselt zu Aston Martin. Er lässt Ferrari 2021 hinter sich.

Wetten, dass keiner das Formel-1-Podest beim Grand Prix von Monza richtig getippt hat? Pierre Gasly vor Carlos Sainz jr. und Lance Stroll, kein Mercedes-Sieg, kein Silberpfeil, Ferrari oder Red Bull auf dem Podest. Diese wahnwitzige, eigentlich ob der klassischen Monotonie und Rangordnung in der Formel 1 schier unmögliche Konstellation wurde aber von einem Finnen gesetzt. Sportwetten sind im Land der 1000 Seen ungemein beliebt, ob Pferderennen, Fußball oder Formel 1 – in jedem Kiosk kann „Veikkaus“ gespielt werden. In Tampere investierte einer also stolze 20 Cent in den „Supertripla“, die Dreierwette ging überraschend auf. Die Gewinnsumme klingt bei dem Einsatz absurd: 33.398 Euro.

Monza war einer der verrücktesten Grands Prix seit gefühlten Ewigkeiten. Erstmals seit 2013 stand kein Topteam, keines aus dem zuvor genannten Trio auf dem Podest. Wie wohl das heutige Rennen enden wird? Der Anbieter Bwin etwa offeriert für einen Sieg des Briten Lewis Hamilton immerhin eine Quote von 1,47. Sebastian Vettel etwa steht bei 301 – dass der Deutsche den 1000. F1-GP von Ferrari gewinnt, ist geradezu ausgeschlossen. Es ist fast noch unwahrscheinlicher ob der zuletzt gezeigten Performance, als Gaslys Triumphfahrt.

Auf einen anderen Schachzug hätte man getrost wetten können, den pfiffen die Spatzen aber längst vom Dach. Allerdings hinterlässt der Zeitpunkt einen gewissen Nachgeschmack. Vettels Wechsel mit Saisonende zu Aston Martin – bei BWT Racing Point muss der Mexikaner Sergio Pérez sein Cockpit für den Deutschen räumen – ist just vor dem Jubiläumsrennen der Scuderia offiziell bekannt gegeben worden. Eine Retourkutsche für manch Diskrepanz mit Teamchef Matti Binotto? Ein Tritt für sechs (verlorene) Jahre, in denen alle Titelträume geplatzt waren, weil entweder das Siegerauto fehlte oder auch Vettels Nerven den Anforderungen nicht standhielten?

Das bleibt Ansichtssache, jedoch ist davon auszugehen, dass es sich Vettel verbessert hat. Denn Aston Martin wird investieren, will sich in der Formel 1 wie auf dem deutschen Automarkt nicht nur als „James-Bond-Auto“ positionieren. Dazu hat man als Partner von Mercedes (Toto Wolff hält einen geringen Aktienprozentsatz) auch das beste Material mehr oder minder griffbereit. Für Vettel, 33, der einen langfristigen Vertrag erhielt und nach dem F1-Karriereende als Markenbotschafter unterwegs sein wird, ist das ein sehr gutes Geschäft. Für Aston Martin auch, der viermalige Weltmeister hat eine gewisse Strahlkraft.
Und wer weiß: Vielleicht liefert die Luxusmarke ja auf Anhieb ein Auto, das um die vorderen Plätze mitfahren kann? Wetten, dass Vettel in der Saison 2021 sehr oft vor Ferrari klassiert sein wird . . ?