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Analyse

Der Ahnherr der Spindoktoren

Friedrich von Gentz.
Friedrich von Gentz.akg-images / picturedesk.com
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Friedrich Gentz, Berater von Kanzler Metternich, bestimmte die Geschicke Europas mit.

Unter Fürst Clemens Wenzel Metternich, erst Außenminister, dann Kanzler, war das Haus am Ballhausplatz 2, heute das Bundeskanzleramt der Republik Österreich, eines der Machtzentren Europas. Auch der Wiener Kongress fand hier statt. Einen wesentlichen Anteil daran, neben Metternich selbst, hatte sein Berater Friedrich von Gentz, eine schillernde Figur, gewissermaßen ein Ahnherr der modernen Spindoktoren.

„Der Sekretär Europas“ wurde Gentz auch genannt. Seine Glanzleistung: Europa, also die alten europäischen Mächte, auf den Widerstand gegen Napoleon Bonaparte einzuschwören bzw. diesen aufrechtzuerhalten. Gentz tat dies mit publizistischen, politischen und diplomatischen Mitteln. Zeitweilig stand er ziemlich allein da, da die Staatenlenker der alten Dynastien immer wieder auch das Arrangement mit dem Kaiser der Franzosen suchten. Auch der österreichische Kaiser tat dies, indem er Napoleon seine Tochter zur Frau gab. Für Gentz war Napoleon ein genialer, aber gefährlicher Emporkömmling. In seiner 1946 erschienenen Gentz-Biografie lässt Golo Mann, gerade dem Nationalsozialismus entkommen, zwischen den Zeilen durchaus Parallelen mitschwingen: Da Napoleon, der rücksichtslose Diktator, dort sein Gegenspieler Gentz, der den Widerstand gegen alle Widerstände aufrechterhält. Mitunter einsam, aber stets in der Überzeugung, das Richtige zu tun.

Friedrich Gentz war eigentlich Deutscher, in Breslau geboren, studierte bei Immanuel Kant in Königsberg und war anfangs durchaus begeistert von der Französischen Revolution. Doch er sah recht bald auch die Schattenseiten, den Terror. Er übersetzte Edmund Burkes kritische „Betrachtungen über die Französische Revolution“ ins Deutsche. Gentz, gewissermaßen vom Liberalen zum Konservativen mutiert, schrieb nun gegen die Französische Revolution, erst recht gegen ihren Usurpator Napoleon, an. Er tat dies zunächst in den Diensten Preußens, doch dessen zunehmende Appeasement-Politik trieb ihn an den Hof in Wien. Der Protestant stand nun in Diensten der katholischen Habsburger. Und schmiedete an Metternichs Seite eine Allianz gegen Napoleon.