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Die entscheidende Phrase des Rudolf Anschober

CORONAVIRUS: PK BUNDFESREGIERUNG - ANSCHOBER
Rudolf AnschoberAPA/ROLAND SCHLAGER
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Wir haben gelernt, dass in der Coronapandemie eigentlich immer eine entscheidende Phase ist.

Im Lexikon der Politiksprache finden sich unzählige Phrasen. Also, neutral formuliert, Redewendungen oder, mit einem negativen Touch, Floskeln oder Plattitüden. Manche sind auffällig und laut („Kein Mensch ist illegal!“), manche werden gern gedankenlos nachgeplappert („Recht muss Recht bleiben!“). Und dann gibt es auch die kleinen, versteckten Phrasen, die man erst beim zweiten Hinhören erkennt. Auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat eine solche Lieblingsphrase, achten Sie einmal darauf. „Es ist dies jetzt eine entscheidende Phase“, sagte er Anfang vergangener Woche. Tatsächlich ist es beim rasanten Anstieg der Corona-Infektionen jetzt entscheidend, wie es weitergeht, damit es gut weitergeht. Gehen wir zurück Anfang Juli, als die von Gewerkschaften, Arbeiter- und Ärztekammer gebildete „Offensive Gesundheit“ einen „Strukturdialog“ (auch so ein Kandidat für das Lexikon der Politiksprache) startete. Da sagte Anschober, wie wichtig ein starkes Gesundheitssystem sei, gerade Corona habe das gezeigt – und dass die nächsten Monate dafür „die entscheidende Phase“ seien. Einige Tage davor, als er das Ampel-System ankündigte, sprach Anschober davon, dass es für die Eingrenzung der Erkrankungsfälle eine „entscheidende Phase“ sei. So wie er auch im Mai auf den Start der Fußball-Bundesliga im Juni verwies. Da werde es, meinte er, eine „entscheidende Phase“ geben. Mitte April, vielleicht erinnern Sie sich, als Österreich gerade aus dem Lockdown kam, da startete ja die „Phase zwei“. Für Anschober „die entscheidende Phase“.

Wir lernen daraus, dass im Umgang mit der Coronapandemie immer eine entscheidende Phase ist. Aber auch, dass es nicht so einfach ist, die Menschen in einer ernsten Situation, die sich über längere Zeit zieht, bei der Stange zu halten. Dabei wäre gerade jetzt, da hat Anschober schon recht, eine entscheidende Phase . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2020)