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Vorarlberger Modell

Wahllokal Bregenz am Sonntag, 13. September 2020
Wahllokal Bregenz am Sonntag, 13. September 2020APA/EXPA/PETER RINDERER
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Wen man wählt, wenn niemand gewählt werden will.

Stell dir vor, es gibt eine Wahl und niemand will antreten. Das kommt gar nicht so selten vor. In Vorarlberg zum Beispiel, bei der gestrigen Gemeinderatswahl, hat in 13 Gemeinden keine einzige Liste kandidiert.

Doch die Vorarlberger, die auch sonst zu politisch originellen Instrumenten tendieren - man denke nur an die einzigartige Funktion eines „Landesstatthalters“ - wissen auch dafür eine Lösung: In diesen Fällen findet eine „Mehrheitswahl“ statt. Und die sieht so aus: Jeder Wahlberechtigte kann jene Gemeindebürger auf den Stimmzettel schreiben, die er für geeignet hält. Wer am öftesten genannt wird, ist gewählt.

Wäre das nicht eine Lösung mit Vorbildcharakter? Für die nächste Bundespräsidentenwahl zum Beispiel: Da könnte man dann glatt auf Wahlkämpfe und lähmende TV-Duelle verzichten. Oder, realistischer betrachtet: Für Wahlen, bei denen das Interesse am Job enden wollend ist. Die Wahl von Elternsprechern in Schulklassen bietet sich für dieses Modell an. Wer will das schon werden? Bei der Mehrheitswahl werden die Elternsprecher einfach ungefragt bestimmt.

Leider hat das Vorarlberger Modell auch einen Haken: Die Kandidaten müssen die Wahl schon annehmen, damit sie gewählt sind. Also doch kein Modell für den Elternsprecher.