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„Fodor’s No List“: Auf diese Orte sollte man verzichten

(c) imago images/Xinhua (Cheng Tingting via www.imago-ima)
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Die „Fodor’s No List“ bügelt aus, was die 1000  Orte, die man sehen muss, verbrochen haben.

Das widerwärtigste Reisebuch? „1000 Places to See Before You Die“. Es gibt keinen einflussreicheren Tourismuskanon als diesen aalglatten Besteller mit seiner Reduktion der Welt auf Orte, die man gesehen haben „muss“ – eine Promotion des Been-there-done-that-Tourismus, der Natur- und Kulturschönheiten zu menschlichen Lege­batterien umfunktioniert und kollateral jegliche Spuren authentischen Lebens zu eliminieren trachtet. Das Buch – der neckische Tod im Titel dreht eifrig an der Dringlichkeitsschraube – fördert nicht nur die Menschenschlangenlänge vor kanonischen Sehenswürdigkeiten, nein, es rückt auch neue „Hotspots“ in den Fokus und wirft sie in Neuauflagen der Meute zum Fraß vor. Dabei besteht doch, wie alle Reisenden wissen, das befriedigendste Unterwegssein darin, eben keine Sights abzuklappern, sondern eigenständig Dinge und Menschen zu entdecken.

Eine Hilfe bei der Orientierung über Destinationen bietet der US-Verlag Fodor’s mit seiner Reisewebsite. Schon Gründer Eugene Fodor (1901–1991) erinnerte die Leserinnen und Leser seiner Produkte treffend: „In Rom gibt es nicht nur tolle Monumente, sondern auch ­Italiener.“ Heute publiziert der Verlag jährlich die „Fodor’s No List“ über schonungsbedürftige Orte, auf deren Besuch man verzichten sollte, um den Druck von ihnen zu nehmen. 2018 standen Amsterdam, Venedig und Santorin drauf, 2019 die Osterinseln, Dubrovnik und Mallorca.

2020, als der Tourismus so entlastet wurde, dass er kurzfristig ganz verschwand, stehen Angkor Wat, Barcelona und Big Sur ebenso auf der Liste wie das Matterhorn, das jährlich, meist wegen Ungeübtheit der Besteigenden, um die zehn Todesopfer fordert. Auf das Korallenriffsterben wird verwiesen. Auch warnt die Liste vor mit Methanol vergifteten hochprozentigen Getränken in Costa Rica und Mexiko. Als Attraktion des Jahres, die beendet werden sollte, highlightet Fodor’s das Elefantenreiten, etwa in Thailand – dieses Vergnügen sei nur möglich, wenn der Willen junger Elefanten gewaltsam gebrochen wird. Tatsächlich ein total unnötiger Menschenspaß.