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Südafrika

Plante Irans Geheimdienst Anschlag auf US-Botschafterin?

Als Vergeltungsschlag für die Tötung Qassem Soleimanis wollte Teheran angeblich die Botschafterin in Südafrika töten: Lana Marks ist eine langjährige Bekannte von Donald Trump.

Auf die Vergeltung soll die Vergeltung folgen: „Jegliche Attacke des Iran gegen die Vereinigten Staaten“, twitterte US-Präsident Donald Trump, „wird mit einem tausendfach größerem Angriff beantwortet.“ Drohgebärden zwischen Washington und Teheran stehen seit geraumer Zeit auf der Tagesordnung, nur bezieht sich Trump diesmal auf angeblich konkrete Anschlagspläne der Islamischen Republik.

Betroffen ist eine langjährige Bekannte des Präsidenten, Lana Marks, Unternehmerin und Handtaschen-Designerin, die seit Anfang des Jahres als US-Botschafterin in Südafrika fungiert. Wie das Magazin „Politico“ berichtet, plante der iranische Geheimdienst gemeinsam mit der diplomatischen Vertretung in Pretoria einen Anschlag auf die Diplomatin. Politico bezieht sich im Artikel auf nicht näher genannte US-Beamte; warum die Iraner just Marks im Visier hätten, sei jedoch auch ihnen ein Rätsel.

Möglicherweise sei ihre Freundschaft zu Trump ausschlaggebend.
Der Angriff auf Marks sei indessen nur eines der Szenarien, auf die man sich gefasst machen müsse: Zwischendurch war von Anschlagsplänen auf General Kenneth McKenzie die Rede, der das Zentralkommando der Vereinigten Staaten befehligt.

Seit der Tötung des Offiziers und Kommandeurs der berüchtigten Quds-Einheit, Qassem Soleimani, durch eine amerikanische Drohne, kündigten iranische Stellen – von Ayatollah Ali Chamenei abwärts – immer wieder Vergeltungsschläge an. Jedenfalls griff Teheran kurz nach Soleimanis Tod eine Militäranlage im Irak mit ballistischen Raketen an, in der sich auch US-Soldaten aufhielten. Dabei wurde auch ein Linienflug der Ukraine Airlines abgeschossen, 176 Menschen starben.

Die Ereignisse Anfang dieses Jahres bildeten den Auftakt für die nächste Eskalationsstufe zwischen den USA und dem Iran. Zuvor hatte sich Trump einseitig aus dem Wiener Atomdeal verabschiedet und belegte den Iran mit umfassenden Wirtschaftssanktionen.

Klage statt Vergeltung

Als eine „Desinformationskampagne“ bezeichnete Saeed Khatibzadeh, Sprecher des Teheraner Außenministeriums, indessen die Berichte rund um den geplanten Anschlag auf Marks. Substanzlose Vorwürfe dieser Art seien angesichts der bevorstehenden US-Wahl erwartbar gewesen. Khatibzadeh verwies einmal mehr darauf, dass der der Iran den Fall Soleimani juristisch klären wolle. Heißt: Keine Vergeltungsanschläge, dafür Klagen im Irak sowie dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

In Südafrika verfügt die Islamische Republik jedenfalls über ein gut ausgebautes Netzwerk. Besonderes Interesse soll Teheran an den Uran-Vorräten Pretorias haben. Der – nun schwankende – Wiener Atomdeal sah schließlich vor, dass der Iran die Urananreicherung reduziert.

(duö)