Medien: ORF wechselt den Radio-Direktor aus

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ÖVP-Stiftungsrat Franz Medwenitsch wirft der SPÖ vor, sie bringe Karl Amon für das Wahljahr 2011 in Stellung. Der scheidende Radio-Chef Willy Mitsche soll künftig ein Landesdirektorengehalt beziehen.

„Das ist die mit Abstand teuerste Lösung“, ärgert sich ein ORF-Insider im Gespräch mit der „Presse“. Die Rede ist von der Ablöse von Hörfunkdirektor Willy Mitsche, der mit 31. August seine Funktion zurücklegt, um ab 1. September die „Strategische Radioplanung und Radioschulung“ in der ORF-Hauptabteilung „Strategische Planung und Administration“ zu übernehmen – einen neuen Job, der bisher verteilte Aufgaben zwecks Nachwuchsförderung und Qualitätsmonitoring „zentralisieren“ soll, wie es aus dem ORF heißt. Für die Erledigung dieser Aufgabe wird Mitsche dank seines Dienstvertrags künftig ein Landesdirektorengehalt beziehen – er war vor seiner Bestellung Landesdirektor in Kärnten und kann nun nicht auf weniger als sein vorheriges Gehalt zurückfallen.

Bereits am 9. September soll der ORF-Stiftungsrat einen Nachfolger bestellten. Der Posten war am Dienstag in der „Wiener Zeitung“ ausgeschrieben. Als Wunschkandidat der SPÖ gilt TV-Chefredakteur Karl Amon. Die SPÖ muss allerdings zittern, ob sie genügend Stimmen im Stiftungsrat bekommt: 15 der 35 Räte werden den Roten zugerechnet, für die Bestellung eines Direktors ist aber eine Mehrheit von 18 Stimmen notwendig. Das erklärt wohl auch die Eile, mit der Mitsche, der dem Vernehmen nach lieber bleiben wollte, aus dem Job komplimentiert wurde: Verliert die SPÖ bei der bevorstehenden Steiermark-Wahl am 26. September, könnte das einen Mandatsverlust im Stiftungsrat nach sich ziehen – das Votum würde noch mehr zur Zitterpartie.

Mitsche: „Gehe ohne politischen Druck“

Mitsche, der am Montag betonte, dass seine Entscheidung „ohne jeden politischen Druck“ zustande gekommen sei, war einst mit Unterstützung von Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) Hörfunkdirektor geworden – ein politischer Coup, der jene Regenbogenkoalition aus ÖVP, SPÖ, BZÖ, FPÖ und Grünen ermöglichte, die Alexander Wrabetz zum ORF-Generaldirektor wählte.

Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“ im Stiftungsrat, ortet hinter der Direktorenrochade einen „roten Masterplan für die ORF-Führung“. Würde Amon zum Radiodirektor bestellt, würde der TV-Chefredakteursposten frei und müsste neue besetzt werden – so wie die bereits ausgeschriebene Chefredaktion im Hörfunk (Amtsinhaberin Bettina Roither wurde zur Ö1-Chefin gekürt). „Viele befürchten einen roten Zugriff auf den ORF“, so Medwenitsch. Er glaubt, Mitsche sei „ein Fall von Mobbing“ und werde zugunsten von Amon aus dem Amt gedrängt: „Amon ist roter Wunschkandidat für fast alles im ORF. Offenbar soll er jetzt in Stellung gebracht werden.“ Mitte 2011 steht die Wieder- oder Neuwahl des ORF-Generals an.

Brigitte Kulovits-Rupp (SP), die Vorsitzende des Stiftungsrats, hält den Rücktritt von Radiodirektor Willy Mitsche für „sehr nachvollziehbar“ und TV-Chefredakteur Karl Amon für „sehr qualifiziert“. Sie ist für eine Neuausschreibung des Radiodirektors – das kolportierte Szenario einer Zusammenlegung von Radio- und Onlinedirektion wäre in der derzeitigen Konstellation ihrer Ansicht nach ein „Schnellschuss“. Meinung S. 27

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2010)

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