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Bildung

In Schulen und Unis steht die Ampel weiterhin auf Gelb

NIEDEROeSTERREICH: BILDUNGSMINISTER FASSMANN BESUCHT DIE SOMMERSCHULE IM GYMNASIUM PURKERSDORF: HEURAS / FASSMANN / TESCHL-HOFMEISTER
Masken ja, zuhause bleiben nein: Für die Schüler in orangen Bezirken ändert sich vorerst wenig. Im Bild: Bildungsminister Faßmann bei einem Besuch im Gymnasium Purkersdorf Ende August.APA/HELMUT FOHRINGER
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Minister Faßmann versicherte, dass es zu keinen Verschärfungen bei den Maßnahmen kommen wird und fordert raschere Coronatests ein. Die Kapazitäten dafür seien vorhanden.

Wien. Wenn in sieben Städten die Corona-Ampel auf Orange geschaltet wurde – was heißt das eigentlich für die Schulen und Universitäten? Die Antwort lautet: Gar nichts. Bildungsminister Heinz Faßmann versicherte am Dienstag, dass es zu keinen Verschärfungen bei den Maßnahmen kommen wird. Das ist überraschend, denn eigentlich war bei Installierung der Ampel ein klares Prozedere vorgesehen: Orange hätte demnach bedeutet, dass bei Oberstufenschülern wieder teilweise auf Home Schooling umgestellt wird. Die Klassen sollten geteilt werden und abwechselnd jeweils eine Hälfte in der Schule und zu Hause per „Distance-Learning“ unterrichtet werden. Zudem sollte es keine Schulveranstaltungen und kein Singen in geschlossenen Räumen mehr geben.

Das alles findet jetzt nicht statt, denn es gibt eine eigene Schulampel. Und die steht auf gelb. Faßmann begründete diese Entscheidung mit den Empfehlungen der Ampelkommission. Das Infektionsgeschehen zeige, dass es epidemiologisch vertretbar sei, die Bildungseinrichtungen offen zu halten. Seit dem Schulstart am Montag vergangener Woche habe man 202 nachgewiesene Infektionsfälle unter Schülern und 28 unter Pädagogen gezählt, so der Minister. Damit würden nur vier Prozent der Fälle mit Schulen in Verbindung stehen, es gebe auch keine eigenen Schulcluster, sondern die Schüler würden sich anderswo anstecken. Und: Kinder unter zwölf Jahren hätten bei der Verbreitung des Virus nur eine untergeordnete Bedeutung.

Transparenz- statt Planungsinstrument

All das habe dazu geführt, dass man sich in Absprache mit den Experten dazu entschieden habe, „Maßnahmen von der Ampelfarbe zu entkoppeln“. Überhaupt habe sich die Ampel von einem Planungs- zu einem Transparenzinstrument entwickelt, so Faßmann. Aber welchen Sinn hat es, wenn die Ampelkommission die Farbe umschaltet, ohne die entsprechenden Maßnahnmen dazu zu empfehlen? Der Minister antwortete auf eine entsprechende Journalistenfrage offenherzig: „Es gibt vieles, was wir beide nicht unmittelbar verstehen.“

Auch die Universitäten könnten ihre bisherigen Planungen für das Anfang Oktober beginnende Wintersemester unter den bisherigen Voraussetzungen fortsetzten. Die Uni-Rektoren hatten sich zuvor über die unsichere Situation beklagt: „Wir müssen auf gesicherter Basis wissen, wie wir ab 1. Oktober mit Lehrveranstaltungen umgehen“, sagte der Rektor der Uni Wien, Heinz Engl. Die Aussagen über die Ampelfarben würden sich aber von Tag zu Tag ändern. Auch die Rektorin der Technischen Universität (TU) Wien und Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), Sabine Seidler, kritisierte diese Unsicherheit. Für sie wäre es wichtig, im Wintersemester viel Präsenz an den Unis zu ermöglichen, speziell für die Erstsemestrigen, ohne die Sicherheit der Studenten und der Uni-Lehrer zu gefährden. Das dafür notwendige Kontaktmanagement sei aber sehr aufwändig. Auch Engl betonte, dass ein hybrider Lehrbetrieb – also teilweise vor Ort, teilweise online – vor allem für die Erstsemestrigen wichtig wäre, weil diese die Universität erleben wollten. Das wäre mit gelber Ampelfarbe möglich, Orange dagegen würde nur digitale Lehre bedeuten.

Faßmann signalisierte Verständnis für die Anliegen der Rektoren, empfahl ihnen aber, auf den hybriden Lehrbetrieb zu setzen und diesen je nach Infektionslage anzupassen.

Zu langsam bei den Tests

Kritik übte der Minister an den Gesundheitsbehörden: Bei den Testungen von Verdachtsfällen an Schulen gebe es ein Problem gebe. Es sei ein „empirisches Faktum: Es dauert zu lange“, sagte der Minister. Es gehe nicht an, dass bei Verdachtsfällen „Klassen im Schwebezustand“ belassen würden, wenn man sich gleichzeitig ansehe, dass etwa am Wiener Biocenter bestehende Testkapazitäten nicht ausgenutzt werden. Dort könne man 4000 Tests pro Tag abwickeln. Er werde darauf hinwirken, dass derartige Ressourcen ins System eingespeist werden, betonte der Minister und verwies auf ein Ende September startendes Test-Monitoring an Schulen.[QRP5H]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2020)