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Nahost

"Abraham-Abkommen": Die Israelis feiern den Durchbruch

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Die Vier am Südrasen: Außenminister al-Zayani (Bahrain), Premier Netanjahu (Israel), Präsident Trump (USA), Außenminister Zayed Al-Nahyan (VAE).APA/AFP/SAUL LOEB
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Die Unterzeichnerstaaten sowie die USA bejubeln die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und Israel. Die Palästinenser laufen dagegen Sturm.

„Morgendämmerung eines neuen Nahen Ostens" – so poetisch betitelte die bahrainische Tageszeitung „Al-Watan" (Das Land) einen Bericht über den Friedensschluss mit Israel. Ein neuer Naher Osten ist es tatsächlich, in dem die regierungsnahe Zeitung eines Golfstaats die Freundschaft mit dem langjährigen Feind bejubelt. Nachdem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) im August das Eis gebrochen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel verkündet hatten, zog vergangene Woche der kleine Inselstaat Bahrain nach.

Am Dienstag trafen einander Vertreter der drei Staaten mit US-Präsident Donald Trump in Washington, um das sogenannte „Abraham-Abkommen“ zu unterzeichnen. „Der Nahe Osten wurde von Konflikt und Misstrauen zurückgehalten", erklärte der bahrainische Außenminister Abdullatif bin Rashid Al-Zayani während der Zeremonie vor dem Weißen Haus. „Doch ich bin überzeugt, dass wir nun die Gelegenheit haben, das zu ändern."

Absage an die alte Friedens-Formel

In Israel wird der doppelte Friedensschluss als historischer Durchbruch gefeiert. „Dies ist eine neue Ära des Friedens", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Wochenende in einer Videoansprache. Nach dem Motto „Frieden für Frieden" – zugleich Erinnerung und Absage an die alte Formel „Land für Frieden", die einst von der israelischen Linken im Konflikt mit den Palästinensern vertreten wurde, im heutigen Israel aber nur noch wenige Anhänger hat.

Unterzeichnet wurden indes nur vage Absichtserklärungen, Details werden noch verhandelt. Geplant sind unter anderem die Eröffnung von Botschaften, die Ausweitung der bisher heimlichen Handelsbeziehungen, Direktflüge und Sicherheitskooperation. Beobachter vermuten zudem, dass die beiden Golfstaaten für ihr Entgegenkommen mit Sicherheitsgarantien und Rüstungslieferungen aus Washington belohnt werden. Dazu zählt wohl auch der Verkauf von F-35 „Lightning II"-Kampfjets an die Emirate, auf dem die USA trotz israelischer Proteste beharren.

Die Symbolwirkung der Abkommen ist gewaltig, schließlich hatten die arabischen Staaten mit Ausnahme von Ägypten und Jordanien jahrzehntelang gefordert: Erst müsse Israel den Palästinensern einen Staat gewähren, bevor es von Frieden mit der arabischen Welt träumen könne. Dass manche Golfstaaten sich dabei vorwiegend verbal als Kämpfer für die palästinensische Sache hervortaten, zugleich aber regen Austausch mit israelischen Firmen und Geheimdienstlern pflegten, galt als offenes Geheimnis.

Dennoch: Die Bereitschaft der VAE und Bahrains, vor aller Augen die Maske fallen zu lassen, beweist, wie stark sich deren strategische Prioritäten verschoben haben. Wirtschaftlicher und technologischer Austausch, das Ringen mit dem Iran sowie eine gehobene Reputation in Washington zählen den beiden Monarchien mehr als ihre längst lädierte Glaubwürdigkeit als Unterstützer der palästinensischen Sache. Vertreter beider Staaten betonten zwar, die Einigung mit Israel diene auch den Palästinensern. In der Region dürfte das jedoch die Wenigsten beeindrucken.

Freche israelische TV-Reporterin

Die Palästinenser protestierten denn auch wie erwartet gegen das Abkommen. „Die palästinensische Führung sieht dies als Verrat an der palästinensischen Sache, Jerusalem und der Al-Aksa-Moschee", ließ ein Sprecher des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, verlauten. In sozialen Medien kursieren Videos, auf denen Männer in Gaza Bilder des Königs von Bahrain, Hamad bin Isa Al Khalifa, in Brand stecken. Irans Präsident Hassan Rohani rügte gestern die VAE und Bahrain als „Diener der USA". Und: „Wo bleibt euer Mitgefühl für die palästinensischen Brüder?"

Derweil erhielten Fernsehzuschauer in den VAE bereits einen Eindruck von israelischer Chuzpe. Vor der Unterzeichnung des Vertrags in Washington störte die israelische Reporterin Dana Weiss einen Journalisten aus den Emiraten bei einer Live-Übertragung, tippte ihm auf die Schulter und fragte: „Wir sind auch gerade auf Sendung, können wir ein Foto zusammen machen?" Dass selbst die Moderatorin im heimischen Studio ihr riet, diesen Kollegen nicht zu stören, hielt sie nicht auf.
Israelische Twitternutzer kommentierten die Szene voll Scham und Spott: „Dana Weiss tut alles in ihrer Macht", schrieb einer, „um das Friedensabkommen zu boykottieren".