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Paläontologie

Massenweises Artensterben vor 233 Millionen Jahren

Auch etliche Arten von Ammoniten - Kopffüßer, die einst sehr häufig waren - überlebten das "Carnian Pluvian Event" nicht.
Auch etliche Arten von Ammoniten - Kopffüßer, die einst sehr häufig waren - überlebten das "Carnian Pluvian Event" nicht.NHM Wien / Alexander Lukeneder
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Massive Vulkanausbrüche inmitten der Trias änderten das Klima, ließen viele Arten aussterben - und förderten den Siegeszug der Dinosaurier.

Die Erdgeschichte, wie wir sie kennen, ist von Katastrophen und folgenden Massensterben strukturiert. Die berühmteste ist wohl jene, die vor 65 Millionen Jahren die Erde traf – in Form eines Meteoriten, der aufs heutige Mexiko schlug. Diesen Einschlag – und den globalen Winter, den der aufgewirbelte Staub auslöste – überlebten die Dinosaurier nicht. Säugetiere nützten die frei gewordenen Lebensräume, so verdanken auch wir Menschen unser Dasein dieser Katastrophe, von der wir sagen, dass sie die Kreidezeit beendete und die Erdneuzeit einläutete.

Auf insgesamt fünf „große“ Massensterben durch Katastrophen können sich die Paläontologen bisher einigen. Eine Katastrophe steht zum Beispiel zwischen Perm und Trias (vor ca. 252 Millionen Jahren, damals starben etwa die Trilobiten aus), eine andere zwischen Trias und Jura (vor 201 Millionen Jahren). In den letzten Jahren häufen sich Indizien für ein weiteres Massensterben, das sich ziemlich genau zwischen diesen beiden zugetragen haben soll, vor 233 Millionen Jahren, also mitten in der Trias, am Ende des Karniums, das ist sozusagen eine Unterepoche einer Unterepoche (namens Obertrias) der Trias.

„Dämmerung der modernen Welt“

Forscher um Jacopo Dal Corso (Wuhan) und Mike Benton (Bristol) haben nun für die Wissenschaftszeitschrift „Science Advances" (16. 9.) diese Indizien zusammengetragen – und sie nennen den Auslöser der Katastrophe: Vulkanausbrüche im Nordwesten des heutigen Kanada. Sie brachten viel CO2 in die Atmosphäre, was diese, wie heute jedes Kind weiß, erwärmt. Das brachte eine warme, nasse Ära, deren Beginn man nach dem lateinischen Wort für Regen auch „Carnian Pluvial Event“ nennt. Sie hielt etwa eine Million Jahre an, in ihr änderte sich das Leben auf der Erde wesentlich. Vom „dawn of the modern world“ sprechen die Forscher. So setzten sich Nadelwälder und Korallenriffs durch, wie wir sie bis heute kennen. Unter den damals ausgestorbenen Wesen sind etwa viele Arten von Ammoniten (das waren Kopffüßer), Conodonten (Chordatiere) und Grünalgen.

Vor allem aber, so Benton, katalysierte dieser Einschnitt die Machtübernahme der Dinosaurier. Solche hatte es zwar schon davor gegeben, aber sie waren selten und unbedeutend geblieben, bis das neue, feuchte und warme Klima sie begünstigte. Auch die ersten Schildkröten, Krokodile und Eidechsen kamen damals auf. Und, interessant für uns Säugetiere: Die ersten solchen entwickelten sich aus Reptilien. Es sollte freilich noch eine gigantische Latenzzeit von 168 Millionen Jahren dauern, bis sie begannen, die Erde zu dominieren.