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H&M

Warum Plus Size aus den Geschäften verbannt wird

H&M verkauft seine Übergrößen in Zukunft nur noch online und ist damit längst nicht alleine. Doch Kritik macht sich breit. Warum ein reales Shoppingerlebnis oft noch nicht möglich ist.

Models abseits von Größe 34, Dehnungsstreifen, Narben, Tattoos und Hautfalten. Ein Blick in den Onlineshop von H&M zeigt eigentlich, wie sehr sich die schwedische Textilkette bemüht, ein diverses Frauen- und Körperbild zu zeigen.

Doch diese Bemühungen sollen wohl nicht über den Onlineshop hinaus sichtbar sein. Denn wie die Modekette jetzt mitteilte, wird man die Plus-Size-Kollektionen in Zukunft nicht mehr in den Shops anbieten, sondern lediglich digital. Begründet wird das mit dem Kaufverhalten, heißt es von Seite der Modekette: "„Die Nachfrage nach unserem H&M+-Sortiment hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf unseren Online­-Shop verlagert."

Die Entscheidung bringt viel Kritik mit sich. Plus-Size-Mode würde wieder zum Nischenphänomen erklärt werden, es sei klar ein Rückschritt und spreche gegen die Plus-Size- und Size-Inclusive-Bewegung, heißt es dabei.

Plus-Size-Bloggerinnen wie Julia Kremer machen ihrem Ärger unter anderem auf Instagram Luft. Sie schreibt dort: "Ich würde mir wünschen, dass man Kleidungsstücke von 2XS - 4XL an einer Kleiderstange finden würde. Im ähnlichen Style. Ich möchte mich so kleiden wie meine schlanken Freundinnen."

Onlineshopping als einzige Alternative

Sie berichtet dabei auch von ihren Erfahrungen. Von klein auf sei sie es gewohnt, dankbar sein zu müssen, wenn man überhaupt etwas zum Anziehen findet. Sie kenne es nicht anders, als online zu shoppen. Doch das sei ein Problem.

"Ich finde, dass wir alle es verdient haben uns so zu kleiden wie wir das möchten, online und offline. Über die Hälfte der Frauen tragen Kleidergröße 42+ - warum sieht man das so wenig? In den Medien? In der Mode? Überall.“ Und weiter: "Bin ich mit einer Kleidergröße 48 weniger sehenswert oder schön ankleidenswert als eine Frau mit einer kleineren Kleidergröße? Und wer legt das überhaupt fest?"

Die Welt der Plus-Size-Mode ist digital

Die schwedische Modekette ist übrigens nicht die einzige, die ihre Plus-Size-Kollektionen nicht im stationären Handel präsentiert. Dazu gehören auch Ketten wie Mango oder Vero Moda. Doch warum ist das so?

Von Unternehmensseite ist die Rechnung klar: Mehr Größen bedeutet im Umkehrschluss auch mehr Verkaufsfläche, die wiederum teuer ist. Und tatsächlich legen Umfragen nahe, dass Plus-Size-Konsumenten tatsächlich hauptsächlich online einkaufen. Eine Umfrage von „Refinery29“, basierend auf 100 Plus-Size Konsumenten in Großbritannien, zeigt etwa, dass 89 Prozent hauptsächlich online shoppen.

Die Gründe dafür wiederum: Im stationären Handel werden die Größen oft nicht angeboten. Damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Dabei wäre die Bereitschaft oder der Wille, den stationären Handel zu unterstützen, sehr groß. 90 Prozent der Befragten würden gerne in den Shops einkaufen gehen, wenn sie wüssten, dass ihre Größe verfügbar sei, heißt es weiter. Denn das echte Kauferlebnis, mit Freundinnen oder der Familie von Geschäft zu Geschäft zu gehen und so die neuen Trends zu sehen, bleibt den meisten Plus-Size-Kunden verwehrt.

Dabei ist der Markt für Übergrößen ein sehr wichtiger für die Modeindustrie, in den USA ist der Plus-Size-Markt das am schnellsten wachsende Segment in der Damenmode, wie „AP News“, basierend auf einer Untersuchung von Credence Research, schreibt.

Dass es dabei aber auch immer wichtiger wird, eben nicht zwischen regulärer und Plus-Size-Mode zu unterscheiden, unterstreicht Michael Felice von der Consultingfirma A.T. Kearney im Gespräch mit „Retail Dive": „Der heutige Verbraucher möchte Marken, die Schönheit durch Individualismus und Vertrauen definieren und nicht durch Größe und Gewicht. Millennials und Gen Z-Käufer möchten eine Verbindung zu einer Marke haben." 

>>> „Refinery29"

>>> AP News

>>> „Retail Dive"

(chrile)