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Erste Bank-Österreich-Chef Peter Bosek geht nach Estland

„Im Leben geht es oft darum, persönliches Wachstum und Zugehörigkeitsgefühl auszubalancieren", sagt Bosek zu seinem Abschied.Die Presse
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Nach 24 Jahren bei der Ersten Bank tritt Bosek per Jahresende von allen Funktionen zurück. Er wird künftig die baltische Luminor Bank leiten.

Geschockt. So zeigt man sich am Freitag in der Zentrale der Ersten Bank über den überraschenden Abgang von Peter Bosek. Am Vormittag gab das Institut bekannt, dass der Chef der Österreich-Sparte und Retail-Vorstand der Erste Group per Jahresende sämtliche Funktionen zurücklegen wird. Bosek wird künftig die Luminor-Bank im Baltikum mit ihrer Zentrale in der estnischen Hauptstadt Tallinn leiten.

Von Bosek wird der Schritt in einer Stellungnahme damit begründet, dass es im Leben oft darum gehe, „persönliches Wachstum und Zugehörigkeitsgefühl auszubalancieren.“ Die Zeit für ihn sei nun reif, sich neuen Herausforderungen abseits von Österreich zu stellen. Ein Mitgrund für diese Entscheidung dürfte sein, dass Bosek bei der Nachfolge von Andreas Treichl als Chef der Erste Group nicht zum Zug gekommen ist. Der 52-Jährige galt lange Jahre als „Kronprinz“ Treichls. Nach dessen Abgang per Anfang des Jahres übernahm jedoch der Risikomanager Bernd Spalt die Spitzenfunktion in Österreichs größter Bank.

Unterschiedliche Ansichten

Dass die beiden Manager seither nicht immer einer Meinung waren, war für den interessierten Beobachter bei öffentlichen Veranstaltungen wie etwa der Präsentation der Bilanz 2019 durchaus ersichtlich. Während Bosek weiterhin eine Expansion in neue Länder im Westen forcieren wollte, wurde diesem Gedanken von Spalt eine Abfuhr erteilt.

Allerdings dürfte der Gang zur Luminor-Bank für Bosek nun nicht die Verlegenheitslösung eines Enttäuschten, sondern eine durchaus attraktive Alternative sein. Das baltische Institut ging 2017 aus dem baltischen Geschäft von Nordea und DNB hervor und gehört zu 60 Prozent dem US-Fonds Blackstone. Dieser dürfte sich in den kommenden Jahren allerdings per Börsengang aus dem Unternehmen zurückziehen wollen - für das aktive Managemnt meist eine durchaus lukrative Angelegenheit.

Der Vater von George

Die Erste Bank verliert mit Bosek eine prägende Figur der vergangenen Jahre. Schließlich war er es, der treibend hinter der Einführung des Online-Bankings George gestanden ist, mit dem die Erste ihren Vorsprung bei digitalen Lösungen gegenüber ihren heimischen Konkurrenten ausbauen konnte.

Wer Boseks Nachfolger werde, stehe noch nicht fest, heißt es. Das werde der Aufsichtsrat in den kommenden Wochen erst entscheiden. Vom restlichen Vorstandsteam der Erste Bank-Österreich werden vor allem Ex-Bank Austria-Chef Willibald Cernko und Gerda Holzinger-Burgstaller eine gute Chance ausgerechnet. Allerdings könnte es auch eine Lösung mit einem externene Manager geben. Mit Letzterer würde wieder eine Frau die Führung übernehmen (zwischen 2008 und 2010 hatte Elisabeth Bleyleben-Koren diese Position inne). Was zudem für sie spricht: Wie Spalt ist sie Risikomanagerin.