Schnellauswahl

„Das ,Rundherum‘ sollte nicht verloren gehen“

Clemens Hasenauer und Georg Kodek
Clemens Hasenauer und Georg KodekÁkos Burg
  • Drucken

LAWard 2020. Zum zwölften Mal prämieren Cerha Hempel und die WU Wien herausragende Bachelor-, Master- und PhD-Arbeiten aller Rechtsfakultäten Österreichs. In einem Jahr, in dem Online-Recherche so wichtig war wie nie zuvor.

Dieses außergewöhnliche Jahr hat auch die Universitäten stark betroffen. Präsenzveranstaltungen wurden beinahe durchwegs abgesagt, der Betrieb überwiegend auf online umgestellt. Das hatte und hat zweifellos auch Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen durch die Studierenden erstellt wurden – nicht aber auf die Qualität der Arbeiten. Ob im Lockdown weniger Arbeiten abgeschlossen wurden, werden die Statistiken erst zeigen.

Auf einen Blick

Die Wirtschaftskanzlei Cerha Hempel vergibt gemeinsam mit der WU Wien und der „Presse“ insgesamt 3500 Euro für herausragende Arbeiten in den drei Kategorien Bachelor- und Masterarbeiten und Dissertationen. Der LAWard ist offen für alle juridischen Fakultäten Österreichs. Ende der Einreichfrist: 31. Oktober. Facultas publiziert die prämierte Dissertation. cerhahempel.com

„Die Online-Recherche hat zugenommen, doch das ist bis zu einem gewissen Grad auch eine Generationenfrage“, sagt Georg Kodek. Er ist Professor für Zivilrecht an der Wirtschaftsuniversität Wien und sitzt der Jury vor, die die Einreichungen zum LAWard-Wettbewerb begutachtet. Den LAWard vergibt die Wirtschaftskanzlei Cerha Hempel heuer bereits zum zwölften Mal. Gemeinsam mit der WU Wien und der „Presse“ werden für ausgezeichnete studentische Arbeiten 3500 Euro ausgelobt.

Gemeinsam mit Kodek werden Rechtsanwalt und Strafrechtsprofessor Peter Lewisch, Erich Vranes, Professor für Europa- und internationales Recht, und Clemens Hasenauer, Managing Partner bei Cerha Hempel, die Jury bilden.

Es wird anders gefunden

Zurück zur Online-Recherche: Auch seine Kanzlei, sagt Hasenauer, habe ihre Online-Bibliothek upgedatet und verzeichne nun deutlich mehr Zugriffe.

Allerdings, sagt Kodek, „das Suchverhalten und vor allem das Finden hat sich verändert.“ Durch die digitale Suche nach bestimmten Begriffen gelinge zwar der punktgenaue Zugriff. Das erhöhe nicht nur die Treffsicherheit, sondern spare obendrein noch Zeit. „Aber anders als bei der Recherche in physischen Büchern, in denen man zunächst meist das Inhaltsverzeichnis und erst später das Sachregister gelesen hat, geht bei dieser Art der Suche eines verloren: Das zu lesen, was vor und nach dem Suchbegriff steht.“ Gerade dieses „Rundherum“ sollte aber beibehalten werden, meint Kodek, weil das immer wieder inspirierend sei und zusätzliche Anstöße liefern könne.

Noch eine Konsequenz habe die intensivere Online-Recherche. „Es werden auffallend weniger Monografien zitiert – oft aus dem simplen Grund, dass diese seltener online verfügbar sind“, sagt Kodek.

Was sich grundsätzlich zeige, sei, sagt Hasenauer, dass die IT-Affinität der jungen Juristinnen und Juristen im anwaltlichen Bereich deutlich steige. Nicht nur für sie werde Legal Tech zunehmend ein Thema. „Der Hype um Legal Tech hat sich einigermaßen gelegt, geblieben sind jetzt aber sehr vernünftige Anwendungen“, sagt Hasenauer. Solche, die in der täglichen Arbeit tatsächlich Vorteile bringen würden. (mhk)


[QQLL9]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2020)