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Spielraum

Österreichs Fußball plagt ein heikles Ticketproblem

Maximal 3000 Zuschauer dürfen vorerst zu Heimspielen kommen. Rapid, Salzburg oder Sturm verkauften jedoch bis zur Kehrtwende der Regierung bereits mehr. Wer bleibt also daheim?

Monatelang wurden teils absurd-teure Konzepte in Auftrag gegeben von zwölf Bundesligaklubs, der Liga und dem Fußballbund. Für Sicherheitsmaßnahmen, Hygiene- und Abstandsregeln, mit allerlei Sitzplatzrastern und -mustern (Stichwort: Schachbrett). Alles um, wie von der Regierung in der laufenden Coronakrise angekündigt, die Saison mit maximal 10.000 Zuschauern pro Spiel bestreiten zu können. Es war ein Signal des Aufbruchs. Da war Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Dann aber kam eine unerwartete Kehrtwende, die Österreichs Fußball vor den Kopf stieß und seitdem Sorgen bereitet: Seit 11. September sind per Erlass nur noch 3000 Fans erlaubt. Sogar die zuvor monatelang ausgelobte Ampelfarbe, bei Orange wären 5000 „erlaubt“ gewesen, zählt nichts mehr. In Coronazeiten ist gar nichts planbar.

Warum Bundeskanzler Sebastian Kurz und Sportminister Werner Kogler nicht wenigstens die erste Runde abgewartet haben, um wegweisende Erkenntnisse zu erlangen, ist fragwürdig. Wozu all die Konzepte (alle Besucher registriert, weil Abonnenten), Mühen, Versprechen? Dass parallel dazu jetzt in Deutschland ein sechswöchiger Testbetrieb anhebt mit bis zu 20 Prozent Auslastung großer Stadien, lässt das Unverständnis anschwellen. Jedoch, Bayerns Saisonauftakt war auch gequält: 7500 Zuschauern sollten kommen, gegen Schalke dabei waren 0. Weil eben die Coronazahlen in München auch nicht mitspielten. Der Unterschied zu Österreich? Es gab kein (lautes) Wehklagen.

Während Institutionen wie Sport Austria und Liga auf die unerlässliche Verlängerung des Sporthilfe-Fonds (nur Salzburg lehnt deren Inanspruchnahme ab) pochten, herrschte in der Ticketfrage ein gewisses Durcheinander. Rapid und Salzburg hatten alle 10.000 Saisonabos längst abgesetzt. Auch Sturm, Lask und Austria hatten mit anderen Einnahmen gerechnet denn mit 3000 Karten pro Heimspiel. Sechs- bis siebenstellige Einbußen sind gewiss. Und, manch Funktionär muss Fingerspitzengefühl beweisen: Wer muss trotz gekaufter Karte daheim bleiben?

In Salzburg war diese Frage schnell gelöst. Der Verkauf aller Saisonkarten wurde rückabgewickelt. Der Verein zahlte Abonnenten das Geld zurück und verlost einfach 3000 Tickets pro Heimspiel unter Dauerkartenbesitzern. Lask stellte umgehend den Verkauf ein, Austria ebenso. Damit war garantiert, dass diejenigen, die bereits ein Abo haben, tatsächlich auch kommen dürfen. Und Sturm? 4000 Karten wurden verkauft, die ersten 1000 und alle, die zudem Klubmitglieder sind, können sich der „Blackies“-Heimspiele sicher sein. Wer nicht darunter ist, habe immerhin das Recht, sein Abo – ohne finanzielles Risiko – auf unbestimmte Zeit stilllegen zu lassen.

Bei Rapid ist der Verlust unbestritten am größten. 18.000 Saisonkarten wurde 2019 verkauft. So muss nach einem ungemein vielversprechendem Saisonstart – reibungsloser Ablauf, tadelloses Konzept, Disziplin und Ordnung – mit einem Sechstel geplant werden. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, das nächste SCR-Heimspiel steigt erst am 4. Oktober gegen Lask. Über diverse Auswahlkriterien zu spekulieren, wäre zumindest 7000 Rapid-Fans gegenüber unfair.
Bei allen anderen Bundesligavereinen stellt sich die „3000er-Frage“ erst gar nicht.