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Wissenschaft

Tief im Schlamm

Schlamm: Schon onomatopoetisch droht man in ihm auszugleiten oder festzukleben.
Schlamm: Schon onomatopoetisch droht man in ihm auszugleiten oder festzukleben.Redferns via Getty Images
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Die Mischung aus Mineralen und Wasser hat weithin die Oberfläche der Erde geprägt, sie nährt – auch stromleitende Bewohner –, und sie bedroht.

Kaum etwas anderes hat die Oberfläche der Erde so geformt und ist auf ihr in solchen Mengen unterwegs wie das zähflüssige Zeug, auf bzw. in dem man schon onomatopoetisch auszugleiten bzw. festzukleben meint, der Schlamm. Er bedroht Leben, er lässt Leben blühen, er bewahrt Spuren von Leben über schier endlose Zeit, zu Sedimenten verfestigter Schlamm bietet die reichste Fundstätte von Fossilien.

Bedrohlich ist dieses Gemisch aus feinkörnigen Mineralen, organischem Material und Wasser – dem die Geologen das Jahr 2015 als „Year of Mud“ widmeten – zunächst von Natur her: Es kann von Bergen herabfahren – in Schlammlawinen, zu denen umgangssprachlich auch Muren zählen, im engeren Sinn aber nur Lahars von Vulkanen –, es kann aus der Erde quellen, zuletzt 2006 in Ostjava, wo der Schlammvulkan Lusi – ausgelöst durch Erdbeben und/oder Ölbohrungen – 100 Grad heißen Schlamm 50 Meter hoch spie, bald waren sieben Quadratkilometer bedeckt und 30.000 Menschen obdachlos, eingedämmt werden konnte der Schrecken bis heute nicht.

Andernorts ist Schlamm hochwillkommen, er nährt, vor allem in den Deltas, die sich aus ihm gebildet haben. Inzwischen sind viele auf dem Rückzug bzw. sinken, weil ihre Flüsse verbaut wurden, zusammen tragen sie nun ein Fünftel weniger Fracht (Nature Geoscience 2, S. 681), berüchtigtstes Beispiel ist der Nil. Trotzdem bringt etwa der Amazonas noch 755 Millionen Tonnen im Jahr zur Mündung, viel davon kommt von der Rodung der Wälder, deren Wurzeln den Boden früher zusammengehalten haben (Science 369, S. 896).