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Entscheidung

Neue Heereshelikopter aus Italien

Im Bild: Ein AW169 Prototyp mit Kufengestell.
Im Bild: Ein AW169 Prototyp mit Kufengestell.(c) APA/SAMMLUNG GEORG MADER/MILITÄR AKTUELL
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ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat sich entschieden: Den Zuschlag für 18 neue Hubschrauber bekommt Leonardos Modell.

Wien. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) hat am Montag offiziell die bereits durchgesickerte Entscheidung verkündet, 18 neue Hubschrauber des Modells AW169M des italienischen Herstellers Leonardo zu kaufen. Sie folge damit der "klaren und einzigen" Empfehlung des Generalstabs, sagte Tanner am Montag.

Drei Hersteller waren zuletzt noch im Rennen um den Zuschlag gewesen: Neben Leonardo gab es ein Angebot von Bell aus den USA sowie Airbus aus Deutschland bzw. Frankreich. Mit Letzterem befindet sich die Republik Österreich derzeit allerdings in Rechtsstreitigkeiten rund um die Eurofighter, weshalb eine Entscheidung für Airbus bereits im Vorfeld als unwahrscheinlich galt.

Bis Mitte 2022 sollen die 18 neuen Hubschrauber in Österreich für den Einsatz bereitstehen. Mit einem Kostenvolumen von 300 Millionen Euro sind sie damit auch die teuerste Neuanschaffung des Bundesheeres seit den Eurofightern vor knapp 20 Jahren.

Teurer als Mitbewerber

Wie „Die Presse“ bereits berichtet hatte, liegt der Anlass für die Neubeschaffung am hohen Alter der bisher verwendeten Alouette-Helikopter. Für die leichten Transporthubschrauber, die für Rettungs- und Grenzraumüberwachungsflüge eingesetzt werden, wurde nach 50 Jahren ein Nachfolger gesucht. Sie müssen 2023 abgeschrieben werden.

Im Gegensatz zu den Mitbewerbern sind die italienischen Hubschrauber von Leonardo jedoch hinsichtlich ihrer Betriebskosten um 30 Prozent teurer, weshalb aus dem ÖVP-Finanzministerium zunächst Gegenwind zu spüren war. Dennoch dürften diese im Generalstab favorisiert worden sein und nun den Zuschlag erhalten haben.

Das neue Hubschrauber-System kann mit unterschiedlichen Konfigurationen für verschiedene Aufgaben alle Fähigkeitsbereiche inklusive dem Selbstschutz abdecken, betonte das Heer. Der Helikopter ist (bei drehendem Rotor) 14,65 Meter lang und 4,5 Meter hoch. Der AW169M kann bis zu 283 km/h schnell fliegen, die maximale Reichweite beträgt 816 Kilometer. Zehn Passagiere können mitgenommen werden. Das maximale Abfluggewicht beträgt 4,6 Tonnen. Der AW169M kann auch bewaffnet werden und ist auch bei Nacht und schlechten Witterungsbedingungen flugtauglich. Außerdem sei das Modell speziell für Einsätze im Gebirge bestens geeignet, heißt es aus dem Militär.

Stationiert in verschiedenen Bundesländern

Eingesetzt werden soll der neue Helikopter, der mindestens 30 Jahre lang genutzt werden soll, für Personen- und Materialtransporte ebenso wie für Löscharbeiten - er kann beispielsweise drei Mal so viel Wasser transportieren wie die Alouette III. Kleinere Lufttransportaufträge können laut Heer durch das neue System kostengünstiger als mit dem Black Hawk durchgeführt werden. Durch den geräumigen Innenraum bietet er auch genug Platz, um eine Person isoliert transportieren zu können, was gerade in Pandemiezeiten extra hervorgehoben wird.

Weil derselbe Hubschrauber auch als Schulhubschrauber verwendet werden kann, könne die Ausbildung effizienter gestaltet werden. Bei Bedarf, also etwa Katastrophen großen Ausmaßes, können die Schulhubschrauber jederzeit auch für Einsatzaufgaben verwendet werden. Jene 12 Maschinen, die die Einsatzstaffel bilden, werden in Aigen im Ennstal in der Steiermark stationiert. Die sechs Ausbildungshubschrauber kommen an die Flieger-Fliegerabwehrschule in Langenlebarn in Niederösterreich. In Vorarlberg, Tirol und Kärnten sind bzw. werden temporäre Hubschrauberstützpunkte errichtet, damit kann der Hubschrauber dort temporär betrieben werden.

Ressort betont: Keine Gegengeschäfte

Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Eurofighter-Kauf und den zahlreichen Korruptionsvorwürfen wollte das Verteidigungsressort diesmal einen anderen Weg gehen und die Hubschrauber im Zuge eines Government-to-Government-Geschäfts anschaffen. So fällte Tanner ihre Entscheidung nicht infolge einer Ausschreibung, sondern fragte bei sämtlichen Streitkräften der Europäischen Union und Kanadas an, ob diese Hubschrauber zur Verfügung stellen könnten. Italien hat nun offensichtlich das Rennen gemacht.

Mit der Firma Leonardo hat das Heer auch schon Erfahrung, wird unterstrichen: Das Bundesheer betreibt den AB 212, der von Leonardo Helicopter (vormals Agusta Westland) hergestellt wurde. Auch der AB 204 sowie der AB 206, die vom Bundesheer betrieben wurden, stammen aus dieser Produktion. Die Radaranlagen der Luftraumüberwachung sowie der Militärflugplätze sind demnach ebenso Produkte des Leonardo Konzerns. Die Vertragsverhandlungen sollen etwa sechs Monate dauern, dann braucht die Produktion der Hubschrauber etwa eineinhalb Jahre. Gegengeschäfte - ein großer Aufreger bei den Eurofightern - gibt es laut Verteidigungsressort keine.

Vorgänger Kunasek freut sich

Tanner selbst kommentierte die kolportierte Entscheidung nicht, allerdings ihr Vorgänger, der ehemalige FPÖ-Verteidigungsminister Mario Kunasek, der auf die Vorarbeit während seiner Amtszeit hinwies: „Ich freue mich für die Soldaten, die bald mit einem zeitgemäßen Gerät ihre Ausbildung und Einsätze absolvieren können“, wurde Kunasek in einer Aussendung zitiert. (APA/Red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2020)