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Wo Coronaregeln verschärft werden

In Großbritannien (im Bild eine Aufnahme aus Soho in London am Sonntagnachmittag) wird ein zweiter Lockdown immer wahrscheinlicher.
In Großbritannien (im Bild eine Aufnahme aus Soho in London am Sonntagnachmittag) wird ein zweiter Lockdown immer wahrscheinlicher.APA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS
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In Großbritannien wird ein Shutdown immer wahrscheinlicher – vorerst gelten hohe Geldstrafen. Tschechien erwägt den Notstand, Spanien riegelt Teile Madrids ab.

Wien/London/Prag/Madrid. Angesichts rasant steigender Coronazahlen sehen sich immer mehr EU-Regierungen zu schärferen Schutzmaßnahmen gezwungen.

Im hart getroffenen Großbritannien wird ein zweiter Lockdown immer wahrscheinlicher: Gesundheitsminister Matt Hancock sprach gestern von einem „Wendepunkt“: Wenn sich die Briten nicht an die Regeln hielten, könne man ein Shutdown nicht mehr ausschließen. Bereits zuvor hatten Medien über mögliche Abriegelungen ab Oktober spekuliert.

Am Samstag hatten die Behörden mit 4422 Neuinfektionen die größte Zunahme seit dem 8. Mai verzeichnet. In keinem anderen Land in Europa sind bisher so viele Menschen an Covid-19 gestorben. Als Reaktion darauf führt die Regierung nun hohe Geldstrafen für Verstöße gegen die Quarantäneregeln ein. Wer positiv auf das Virus getestet wird oder nach Kontakt zu Infizierten von den Gesundheitsbehörden zur Selbstisolierung angehalten wird, muss sich künftig zwingend in Quarantäne begeben. Die neue Vorschrift tritt in England am 28. September in Kraft und soll auf ganz Großbritannien ausgedehnt werden.

Die Mindeststrafe für Verstöße soll bei umgerechnet 1100 Euro liegen, Wiederholungstätern drohen Geldbußen bis zu 11.000 Euro (10.000 Pfund). Der Höchstbetrag wird auch für Unternehmen fällig, die Beschäftigte an den Arbeitsplatz beordern, obwohl diese in Selbstquarantäne bleiben müssten. Geringverdiener, die aus Infektionsschutzgründen daheim bleiben müssen und nicht im Home-Office arbeiten können, sollen eine Entschädigungszahlung von 550 Euro bekommen.

Alarmiert ist auch die tschechische Regierung: In den letzten beiden Wochen zählte Tschechien 193 Coronafälle pro 100.000 Einwohner – das ist die zweithöchste Anzahl an Infektionen in Europa nach Spanien. Die Regierung erwägt nun, den Notstand zu verhängen. Zu diesem Zwecke soll am Montag eine Sondersitzung in Prag stattfinden. Durch den Notstand kann die Regierung schneller striktere Maßnahmen erlassen.

 

Arbeiterviertel abgeriegelt

Verschärft werden die Maßnahmen in Spanien: Nirgendwo in Europa gibt es derzeit mehr neue Infektionsfälle als im Großraum Madrid. Ab Montag werden 37 besonders betroffene Viertel und Vororte der Hauptstadt unter Quarantäne gestellt: Die Polizei soll Straßen und Zufahrten überwachen.
Die Absperrung betrifft vor allem den ärmeren Süden Madrids, wo vor allem Arbeiter und Einkommensschwächere wohnen. Sie fühlen sich nun zu Sündenböcken für die Fehler der Politiker abgestempelt. Die Absperrung sei eine „Stigmatisierung und Diskriminierung“, klagt der Dachverband der Nachbarschaftsvereine. Es handele sich um „vergessene Viertel“ ohne ausreichende Gesundheitsversorgung.

(ag, basta, rs)