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Camp Moria

Rund 10.000 Migranten im neuen Zeltlager auf Lesbos

Ein afghanischer Migrant am Sonntag auf dem Weg in das neue Zeltlager
Ein afghanischer Migrant am Sonntag auf dem Weg in das neue ZeltlagerREUTERS
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Mit einem kurzfristig errichteten Zeltlager für die rund 12.000 Menschen, die nach dem Großbrand des Flüchtlingslagers Moria obdachlos geworden waren, ist für die Behörden die „erste Phase der Bewältigung der Moria-Krise abgeschlossen"-

Die akute Krise der obdachlos gewordenen Migranten auf der griechischen Insel Lesbos ist nach Aussagen des stellvertretenden Migrationsministers Notis Mitarakis erst einmal vorbei. "Wir haben die erste Phase der Bewältigung der Moria-Krise abgeschlossen", sagte er am Sonntag dem griechischen Fernsehsender Skai.

Die neue Struktur funktioniere, sagte er über das kurzfristig errichtete Zeltlager für die rund 12.000 Menschen, die nach dem Großbrand des Flüchtlingslagers Moria obdachlos geworden waren. Rund 10.000 Menschen haben Mitarakis zufolge das Lager bei Kara Tepe an der Ostküste der Insel mittlerweile bezogen. Wo sich die restlichen 2.000 Menschen aufhalten, sagte er nicht. Einige Migranten wollen das neue Lager nicht beziehen - aus Angst, es nicht mehr verlassen zu dürfen. Sie wurden von der Polizei bisher auch nicht aufgefunden.

Abgetrennter Teil für Coreona-Infizierte

Im Zeltlager seien die Menschen alle registriert worden, damit ihre Asylverfahren weiterlaufen könnten, berichtete die griechische Nachrichten-Agentur ANA-MPA am Samstag. Außerdem seien sie bei ihrem Einzug in das Camp auf das Coronavirus getestet worden, bisher seien die Tests bei 213 Menschen positiv ausgefallen. Die Infizierten würden in einem abgetrennten Teil des Lagers isoliert.

Die Straßen, auf denen obdachlos gewordene Menschen seit dem Großbrand gelebt hatten, seien wieder frei für den Verkehr, berichtete das Insel-Onlineportal "Sto Nisi". Ab Montag würden auch die umliegenden Geschäfte wieder aufsperren, die in den vergangenen Tagen geschlossen waren. Die Behörden seien mit der Reinigung und Desinfektion der Straßen beschäftigt. Die griechische Regierung versprach Entschädigung für jene Bürger, deren Olivenhaine beim Brand in Flammen aufgegangen waren und auch jene, die wegen des anschließenden Chaos nicht arbeiten konnten, weil Straßen und Geschäfte geschlossen waren.

Migranten nach Brand obdachlos

Die Migranten waren nach dem Brand im Lager Moria vom 8. auf den 9. September obdachlos geworden und mussten buchstäblich auf der Straße und in umliegenden Olivenhainen schlafen - ohne jegliche Infrastruktur wie fließendes Wasser und Toiletten. Am Donnerstag hatte die Polizei begonnen, die Menschen in das neue Zeltlager zu eskortieren.

Das völlig überfüllte Registrierlager Moria war vor dem Brand wegen Corona fast vollständig zugesperrt worden - von den 12.000 Migranten, gut die Hälfte von ihnen Frauen und Kinder, durften täglich nur rund 100 das Lager für wichtige Behördengänge oder Arzttermine verlassen. Viele warteten dort bereits seit Monaten oder sogar länger als ein Jahr auf ihren Asylentscheid. Andere hielten sich mit abgelehnten Asylanträgen in dem Lager auf.

Wegen der desolaten Situation gab es in Moria in den vergangenen Jahren immer wieder Unruhen, Aufstände und Brandstiftungen. Auch diesmal wurde das Feuer mutmaßlich von Migranten verursacht, die bei starkem Wind zeitgleich an verschiedenen Stellen Brände entfacht haben sollen. Sechs Männer wurden deshalb festgenommen; vier der mutmaßlichen Brandstifter im Alter von 19 und 20 sollen sich am Samstag auf Lesbos einer ersten Anhörung gestellt haben, zwei weitere verdächtige 17-Jährige sollen am Montag gehört werden.

Die Migranten auf Lesbos fordern, ganz von der Insel gebracht zu werden. Dies unterstützen auch humanitäre Organisationen. Athen hält sich aber an das Abkommen der EU mit der Türkei vom Jahr 2016. Demnach müssen alle Migranten auf den Inseln bleiben, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist. Wer kein Asyl bekommt, muss in die Türkei zurück. Mit Verweis auf die Corona-Pandemie nimmt die Türkei aber seit Monaten keine Migranten mit abgelehnten Asylanträgen mehr zurück.

(APA/dpa)