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Literatur

Ein Horrortrip in Las Vegas: "Wenn Rot kommt"

Petra Piuk, geboren 1975 in Güssing, lebt in Wien.
Petra Piuk, geboren 1975 in Güssing, lebt in Wien.(c) ALEX GOTTER
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Es ist kein klassischer Roman, das neue Buch von Petra Piuk, eher eine verwirrende Montage. Als wäre man im Kopf der Protagonisten, Lisa und Tom, im Drogenrausch.

"Wenn man alles auf Rot setzt und Schwarz kommt, fühlt man nichts, absolut nichts, man geht wie in Trance aus dem Casino." Lisa und Tom sind in Las Vegas. Sie machen alles, was man in der seltsamen Stadt in der Wüste so macht. Sie spielen. Sie trinken. Sie nehmen Drogen. Sie stehen mit einem abgehalfterten Elvis in der Hochzeitskapelle. Dazwischen ziehen sie durch die Stadt. Auch durch die weniger glamourösen Teile. Lisas Kamera läuft immer mit.

Am Tag des Abflugs wacht Lisa im Hotelzimmer auf. Tom ist nicht da. Wo ist Tom? Lisa weiß es nicht. Lisa versucht sich zu erinnern. Das Spiel am Roulettetisch. Die Gratis-Drinks, wenn man spielt. Der Besuch bei der Wahrsagerin. Immer wieder spricht der Clown zu ihr, der ihr vor dem Fenster entgegen grinst. Bald muss sie zum Flughafen. Den Kopf unter die Wasserleitung. Noch eine Pille gegen das Dröhnen im Kopf. Wo ist Tom?

Es ist ein Horrortrip, auf den Petra Piuk ihre beiden Protagonisten schickt. Verloren in Vegas. "Schau in den Spiegel", flüstert der Clown. Und der Leser folgt Lisas Gedanken. Nicht einfach. Sehr wirr. Kurze Sätze. Viele Sprünge. In Zeit. In Ort. In Logik. Piuk macht es dem Leser nicht leicht. Immer wieder Sätze in anderen Schriftarten, Farben, IN GROSSBUCHSTABEN, ganze Worte werden einfach weg . . . So chaotisch wie es in Lisas Kopf zugeht, ist auch das Lesen. Das strengt an. Aber es fesselt. Was ist auf der Kamera zu sehen? Wo ist Tom? Und was passiert eigentlich, wenn Rot kommt?

(c) Kremayer & Scheriau

Petra Piuk (Text), Barbara Filips (Fotos): "Wenn Rot kommt", Kremayer & Scheriau, 192 S., 24 Euro