Österreich verliert den Kampf gegen das britische AKW Hinkley Point C. Doch der hartnäckige Atomkraft-Gegner lässt nicht locker und will den Euratom-Vertrag umschreiben.
Welche Zukunft hat Nuklearenergie in Europa? Die Antwort auf diese Frage spaltet die EU-Länder wie kaum ein anderes Thema. Denn auch wenn die einstige Atom-Nation Deutschland in zwei Jahren ihren letzten Meiler abschalten wird, ist das Schicksal der Technologie damit noch lange nicht besiegelt. Nur ein Jahr später wird an der Südwestküste Englands der nagelneue, dritte Reaktor des Kernkraftwerks Hinkley Point ans Netz gehen – und den Briten 60 Jahre lang Atomstrom liefern. Daran wird auch Österreich, Europas Scharfmacher gegen die Atomkraft, nichts mehr ändern können.
Vor fünf Jahren zog die damalige rot-schwarze Koalition gegen den Beschluss der EU-Kommission, Großbritannien milliardenschwere Subventionen für Bau und Betrieb des Kraftwerks zu genehmigen, vor Gericht. Am gestrigen Dienstag holte sich das Land die finale Abfuhr. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) lehnte die Nichtigkeitsbeschwerde in letzter Instanz ab. Der Grundsatz des Umweltschutzes stehe staatlichen Beihilfen für den Bau des 31 Milliarden Euro teuren AKWs nicht entgegen. Zudem stehe es dem Vereinigten Königreich frei, „die Zusammensetzung seines Energiemixes zu bestimmen“.