Rezession in Griechenland verschärft sich

Protesters sit on a chair in front of Greek Parliament in central Athens, Wednesday, May 5, 2010.  Gr
Protesters sit on a chair in front of Greek Parliament in central Athens, Wednesday, May 5, 2010. Gr(c) AP (Thanassis Stavrakis)
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Die griechische Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2010 um 1,5 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Gleichzeitig kletterte die Arbeitslosigkeit auf zwölf Prozent, der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Wirtschaftskrise im hoch verschuldeten Griechenland hat sich im zweiten Quartal deutlich verschärft. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte von April bis Juni um 1,5 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr, teilte das Statistikamt am Donnerstag in Athen mit. In den vorigen beiden Quartalen betrug die Rezession nur je 0,8 Prozent. "Der Rückgang der Investitionen und der deutliche Abbau der öffentlichen Ausgaben haben zu dem Minus beigetragen", hieß es.

Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau

Die Arbeitslosigkeit steigt gleichzeitig in Rekordgeschwindigkeit. 602.185 Griechen waren im Mai offiziell arbeitslos - 43 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit wurde der höchste Stand seit Beginn der monatlichen Statistik 2004 erreicht. Die Arbeitslosenquote sprang von 8,5 auf zwölf Prozent nach oben. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchten, dass sich die Quote wegen der schwersten Rezession seit 40 Jahren in Richtung 15 Prozent bewegen wird.

Sparprogramm bremst Wirtschaft

Belastet wird die griechische Wirtschaft durch ein harsches Sparprogramm der Regierung. Sie hat wegen der enormen Schuldenlast die Gehälter im öffentlichen Dienst gekürzt und die Mehrwertsteuer mehrfach angehoben. Im Gegenzug spannten EU und IWF einen 110 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm, um Griechenland vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Experten zufolge findet Griechenland auch in der zweiten Jahreshälfte nicht aus der Rezession. "Der private Konsum wird künftig noch stärker unter dem Sparpaket leiden", sagte Citigroup-Analystin Giada Giani. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaft 2010 um rund 3,5 Prozent schrumpfen wird.

Euro wieder unter Druck

Die Verschärfung der griechischen Wirtschaftskrise hat die Stimmung für den Euro am Donnerstag eingetrübt. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,2783 Dollar nach 1,2842 Dollar im späten Geschäft am Mittwoch. Eine anfängliche Erholung des Euro von seinen herben Vortagesverlusten von mehr als zwei Prozent wurde von den wenig verheißungsvollen Wirtschaftsdaten Griechenlands schnell zunichtegemacht: Dort schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 1,5 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Vierteljahr, Analysten hatten lediglich mit einem Minus von 1,0 Prozent gerechnet. Die Arbeitslosigkeit steigt gleichzeitig in Rekordgeschwindigkeit.

Die Credit Default Swaps (CDS) des Mittelmeer-Staates zogen daraufhin an. Die Kosten für die Versicherung eines zehn Mio. Euro schweren Kredits gegen Zahlungsausfall stiegen um 32.000 auf 795.000 Euro. "Sorgen um die Staatsschuldenkrise und die Situation des Bankensystems verfolgen Europa weiter und ebenso Zweifel an einer Fortsetzung der Erholung auf dem Kontinent", betonten die Analysten von Franklin Templeton Investment Services. Der US-Dollar profitiert den Analysten der Commerzbank zufolge hingegen immer noch von zunehmender Unsicherheit, zumindest gegenüber dem Euro, wenn auch nicht zum Yen.

(APA)

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