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Es ist höchste Zeit, die Aussagekraft des PCR-Tests zu hinterfragen

INDIA-HEALTH-VIRUS
APA/AFP/INDRANIL MUKHERJEE
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Obwohl diese Schwäche der PCR-Tests bekannt ist, bleibt die Addition der positiven Testergebnisse die wichtigste Botschaft in der Berichterstattung.

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Anfang April 2020 habe ich Ihnen in einem Leserbrief u. a. folgenden Satz geschrieben: "Es ist unglaublich, dass eine Regierung inkl. Experten regelmäßig autoritäre Maßnahmen auf Basis von schwammigen Daten beschließt." Ein halbes Jahr später mit viel mehr Erfahrung und Kompetenz im Umgang mit dem Virus läuft es aber genau so weiter.

Es ist höchste Zeit, die Aussagekraft des alles entscheidenden PCR-Tests zu hinterfragen: Ein positiver PCR-Test belegt noch keine Erkrankung und auch nicht, dass man infektiös ist. Aussagekräftiger wäre eine Messung der Vermehrungsfähigkeit des Virus, aber das findet nicht statt. Obwohl diese Schwäche der PCR-Tests bekannt ist, bleibt die Addition der positiven Testergebnisse die wichtigste Botschaft in der Berichterstattung der Medien und das einzig wahre Entscheidungskriterium für einschränkende Maßnahmen. Die Auslastung der Spitäler kann es wohl nicht mehr sein.

Unser Österreich-Management folgt mit seiner "Muddling through"-Pandemiestrategie eher dem Beispiel Israel, d. h. besser die Wirtschaft auf Jahre ruinieren und psycho-soziale Kollateralschäden zulassen, als dem Beispiel Schweden, wo man von Anfang an nüchtern und kompetent auf das "neue" Virus reagiert hat. Auch dort sind anfangs Fehler passiert, z. B. in den Pflegeheimen, aber Angst und Panik wurden vermieden und die Strategie wurde von Anfang an klar kommuniziert.

Wie soll es also weitergehen? Mit einer "Infektionszahl" von ca. 35.000 und einer Dunkelziffer von geschätzten 300.000 Menschen in Österreich bleiben immer noch 8,6 Millionen potenzielle "Lebensgefährder" und mögliche Coronaopfer, die wir bis zur Impfung einsperren - oh Verzeihung - natürlich schützen müssen. Bis zum Sommer 2021 werden wir noch viele Tiefbau-Ingenieure brauchen, die sich im finsteren Tunnel zurechtfinden.

Toni Matosic, 1130 Wien