Kulturgeschichte

Wem die Sperrstunde schlägt

Wir hatten die Angst vor der Dunkelheit überwunden und uns mit dem abendlichen Ausgehen neue Möglichkeiten des Menschseins erschlossen. Jetzt kommt der Staat als Nachtwächter zurück. Was macht das mit uns?

Hört ihr Leut' und lasst euch sagen“: Wenn die Dunkelheit anbrach, schloss der Nachtwächter die Stadttore, riegelte Straßen mit Eisenketten ab und vertrieb die Trotzigen mit seiner Hellebarde von den Plätzen. Was wir romantisch verklären, war im Mittelalter – und in Jahrtausenden davor – nichts anderes als eine allabendliche Ausgangssperre. Die große Glocke erinnerte daran, Herdfeuer zu löschen, um Brände zu vermeiden. „Couvre-feu“ sagen die Franzosen deshalb zur Sperrstunde, die Engländer haben sie zur „curfew“ verballhornt. Eine kleine Glocke ruft in ihren Pubs bis heute zur „Last Order“ – laut, herrisch, hoheitlich, jede Diskussion ist zwecklos.