Iran: Zum Tod Verurteilte muss TV-Beichte ablegen

Iran Verurteilte muss TVBeichte
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Teheran hält am Todesurteil der angeblicher Ehebrecherin Sakineh Mohammadi Ashtiani fest. Die Exekution wurde zwar im Juli auf internationalen Druck ausgesetzt, doch auf völlig unbestimmte Zeit.

Istanbul/Teheran.Teherans Staatsfernsehen hat eine öffentliche „Beichte“ der von der Steinigung bedrohten Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani ausgestrahlt: Die 43-jährige Mutter von zwei Kindern gab in einem zur besten Sendezeit ausgestrahlten Video nicht nur Ehebruch zu – deswegen droht ihr der Tod durch Steinigung –, sondern auch eine Verwicklung in die angebliche Ermordung ihres Mannes im Jahr 2006. Sie habe gewusst, dass ihr Liebhaber, zugleich ihr Cousin, ihren Mann mit einem Stromschlag töten wollte.

Seine Mandantin sei „geschlagen und gefoltert“ worden, damit sie dem TV-Auftritt zustimme, sagt ihr Anwalt Houtan Kian. Ihre 17 und 22 Jahre alten Kinder seien durch das Interview traumatisiert worden. Zudem gebe es keine Beweise für den Mord an ihrem Mann. Auch ihren früheren Anwalt Mohammad Mostafaie, der mittlerweile nach Norwegen geflüchtet ist, belastete Sakineh Ashtiani in dem Video. Mostafaie ist aber davon überzeugt, seine frühere Mandantin habe nur versucht, „ihr Leben zu retten“.

Von Oslo aus startete Mostafaie eine internationale Kampagne, um ihre Steinigung zu verhindern, nachdem sie zuvor von einem anderen Gericht wegen unerlaubter Beziehungen nach dem Tod ihres Mannes zu 200 Peitschenhieben verurteilt worden war. Diese Strafe wurde vollstreckt.

Brasilien will Asyl gewähren

Der Fall Ashtiani ist zu einem internationalen Politikum geworden. Führende westliche Politiker wie die US-Außenministerin Hillary Clinton, vor allem aber der brasilianische Präsident Lula da Silva, haben sich für die Frau eingesetzt. Lula da Silva hat den iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad um eine Erlaubnis zur Ausreise Ashtianis gebeten.

Brasiliens Engagement hat den Iran unter Druck gesetzt, denn Brasilien war neben der Türkei eines jener Länder, das sich im Mai gegen die Sanktionspolitik der USA und der EU wegen des iranischen Atomprogrammes gestellt hatte. Ein Zerwürfnis mit Brasilien würde die internationale Isolation des Irans steigern. Doch Lula da Silvas Wunsch einfach erfüllen, will Teheran auch nicht. Das Video sieht nun aus, wie die Bekräftigung der iranischen Position.

Ashtianis Anwalt fürchtet nun die baldige Vollstreckung des Todesurteils. Die Exekution wurde zwar im Juli auf internationalen Druck ausgesetzt, doch auf völlig unbestimmte Zeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2010)

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