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„Ciao,Ferrari“

Ferrari Roma: Alle Straßen führen nach Maranello

Der Hauptstadt zu Ehren: Ferraris neuer GT mit Biturbo-V8 in Frontmittel­­lage – 620 PS, ab 248.484 Euro.
Der Hauptstadt zu Ehren: Ferraris neuer GT mit Biturbo-V8 in Frontmittel­­lage – 620 PS, ab 248.484 Euro.(c) Ricardo Ferrer
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Auftritt des stadtfeinen Ferrari Roma, Schönheit und V8-Brutalo in einem.

Mag sein, dass sich die Frage nicht stellt, womöglich nie stellen wird, aber es ist dennoch reizvoll, sie gedanklich einzuordnen. Könnte man sich's frei aussuchen: Porsche oder Ferrari, bei welchem der springenden Pferdchen würde man die Hand um den Schlüssel aufhalten?

Ferrari Roma und Porsche 911 Turbo liegen preislich so gut wie gleichauf, da kann man die Gewissensfrage schon stellen. Wir wollen berichten, wie es sich anfühlt, wenn man sich auf italienischer Seite niederlässt. Der Roma ist einer der schönsten Ferraris seit langer Zeit. Er vereint die Brisanz eines heranschießenden Torpedos mit Stilelementen klassischer Modelle. Die Designer des Roma verweisen als Vorbild auf die 1960er, Ferraris stilbildende Epoche, konkret auf den 250 GT Berlinetta Lusso von 1962. Den betrachtet man ein bisschen wehmütig, weil man in solche Augen – klassische Rundscheinwerfer – heute nicht mehr blicken kann, da einen zu Schlitzen verengte LED-Mündungen aufs Korn nehmen.
Aber es ist lohnend, den Roma aus verschiedenen Perspektiven zu studieren und über prominente wie sumblime Zitate in die Modellgeschichte der Marke einzutauchen.

Der Roma ist der 2+2-sitzige Ferrari für den stadtfeinen Auftritt, optisch krawallfrei und eine der dezenteren Möglichkeiten, ein Auto aus Maranello zu fahren. Es schätzt ja nicht jeder den Volksauflauf, wenn er sich vor dem Wirten einparkt. Kleine Überraschung am Heck, das erstmals nicht die klassischen Rundleuchten zieren. Es schwingt hübsch ab und vermeidet die Ausbildung des obligaten Bürzels, was aerodynamisch durch einen dreistufig ausfahrbaren Flügel kompensiert wird, um den erforderlichen Anpressdruck zu gewinnen (und auch beim starken Bremsen ein bissl mitzuhelfen).

Schließlich ist der Roma auch auf der Rennstrecke keine Fehlbesetzung. Das Manettino, das der Formel  1 entlehnte Multifunktionslenkrad, verfügt über einen Race-Modus, das hatten die auch dem Bummeln und Cruisen zugeneigten GTs bislang nicht. Es schärft die Systeme und lässt längere Zügel für querdynamische Ausflüge, bei denen der Gierwinkel (umgangssprachlich: Drift) elektronisch über Druck an den Bremskolben gesteuert wird. Motto: Der Mensch am Steuer soll mit seinen Fahrkünsten immer gut aussehen, ohne einen jähen Abwurf ins Gebüsch zu riskieren.
Der 3,9-Liter-V8 wurde mit dem Portofino T (wie Turbo) 2014 eingeführt und hat über die Jahre einen Partikelfilter abbekommen und auf 620 PS bei 5750-7500/min zugelegt, aber wichtiger als die Zahl ist die Art und Weise, in der Dampf entfacht wird: möglichst linear, möglichst wie ein Sauger, also ohne Ansprechverzögerung durch die beiden Turbolader. Getriebe? Mit Doppelkupplung und acht Gängen, dies so überzeugend im Automodus, dass man sich fast geniert, so selten in die schönen, großen Wippen hinter dem Lenkrad zu greifen.

„Ciao, Ferrari!“, und das Bordsystem spitzt die Lauscher.

Das Interieur des Roma ist eine kleine Schatzkammer. Das schlanke Dreispeichenlenkrad ist das Schönste, was man in einem Sportwagen derzeit in die Hände bekommen kann. Alles, was man für das Fahren braucht, ist darauf untergebracht, übrigens auch der Startknopf, der kein solcher mehr ist, sondern ein kapazitives Feld. Klingt jetzt ein bisschen seelenlos, aber mit dem Begrüßungsbeller des V8 hätten wir alles an Rückmeldung, was wir uns wünschen könnten.

Die vertiefende Kommunikation wird mit „Ciao,Ferrari“ eröffnet, wie könnte es anders sein, und schon hat das Bordsystem die Ohren gespitzt für die üblichen Kommandos der Spracheingabe. Das Hinterlegen eines Navi-Ziels oder anderer Einstellungen kann man auch an Beisitzer deligieren, die auf dem Armaturenträger vor sich an einem eigenen Touch-Display hantieren können.

Deutlicher als der Roma war noch kein Ferrari gegen einen Porsche positioniert, und so schillernd sind die Kulturunterschiede, sodass man eigentlich sofort weiß, wo man hingehört. Oder hingehörte.

(c) Ricardo Ferrer

Ferrari zum Porsche-Tarif

Kaum teurer als ein 911 Turbo, wiewohl mit 40 PS mehr im Talon, entbietet der Roma Italianitá,
Seltenheit und volles V8-Aroma.

Name: Ferrari Roma
Preis: 248.484 Euro
Motor: V8-Zylinder-Turbo, 3855 cm3
Leistung: 620 PS
Antrieb: Hinterrad
Gewicht: 1570 kg
0–100 km/h: in 3,4 Sekunden
Vmax: 320 km/h
Verbrauch: 16,5 l/100 km

("Die Presse - Fahrstil", Print-Ausgabe, 26.09.2020)