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Porträt

Von den Spieleentwicklern lernen

Lukas Dolesch
Lukas Dolesch(c) Christian Dusek
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Lukas Dolesch stieg erst ins Prüfgeschäft für Medizintechnik ein. Heute liefert er Hightech für Krankenhäuser und erstellt Kapazitätsprognosen. Die sind nicht nur in Covid-19-Zeiten relevant.

Die zuletzt wieder verschärften Bestimmungen zur Covid-19-Bekämpfung haben unter anderem das Ziel, die Krankenhäuser nicht zu überlasten. Es geht also um Kapazitätsplanung. Dass die schon in „normalen“ Zeiten ein Thema ist, erkannte Lukas Dolesch bereits vor längerer Zeit. Seine GSM – Gesellschaft für Sicherheit in der Medizintechnik, deren Gründer und Co-Geschäftsführer er ist, entwickelte gemeinsam mit der TU Wien eine Simulationslösung, die Krankenhäuser räumlich abbildet und Kapazitätsprognosen in nur wenigen Minuten basierend auf Echtdaten ermöglicht: Smart-Scale-A-Hospital nennt sich das System, das im Tiroler Krankenhaus Zams getestet wurde und nun auch anderen Krankenhäusern zur Verfügung steht.

Veränderungen der Patientenströme – zum Beispiel durch mehr infektiöse Patienten – lassen sich dank Visualisierungen als Bewegungsfluss anschaulich simulieren, Engpässe und Flaschenhälse identifizieren und die damit einhergehenden Auswirkungen auf innerbetriebliche Abläufe, personelle, räumliche und maschinelle Kapazitäten, Wartezeiten sowie notwendige Personalrochaden nachvollziehbar abbilden.

Es ist nicht das erste Hightechprodukt, das Dolesch mit seinen Leuten in Wien entwickelte. Die Virtual-Reality-Brille Medical Reality greift auf Technologien aus dem Game Engineering, also der Spieleentwicklung, zurück und entstand in Kooperation mit der FH Technikum: „Sie simuliert die medizinisch genutzten Räume in der virtuellen Realität und macht diese begeh- und erlebbar – und zwar auch für mehrere Personen gleichzeitig“, sagt Dolesch. „Das macht es Pflegern, Ärzten und OP- oder Verwaltungspersonal leichter, Entscheidungen zu treffen.“

Das Unternehmen zu gründen sei 1991 ebenfalls eine nicht allzu schwere Entscheidung gewesen. Als junger Medizintechniker, der bei der Vamed, in der Beschaffung im Wiener Allgemeinen Krankenhaus und in einem Planungsbüro, wie er sagt, „viel für das Leben gelernt“ hatte, tat er sich mit einem ehemaligen Schulkollegen aus dem TGM, Norbert Brandstetter, zusammen. „Wir hatten keinen Businessplan, keine Marktstudie“, sagt Dolesch. Aber damals, Mitte 20, auch keine Verbindlichkeiten – was sie auch heute noch so halten: „Das macht das Denken freier“, sagt Dolesch. Zunächst stiegen sie ins Prüfgeschäft für Medizintechnik ein, etablierten sich bald als Ingenieurbüro. „Die Medizintechnik hat sich stark entwickelt. Als wir begannen, gab es in den Spitälern noch keine elektrischen Betten.“ Medizin-IT samt IT-Sicherheit und Risikomanagement kamen dazu. Das Verständnis von Dienstleistung aber blieb: „Das heißt für uns, nicht nur eine Mängelliste zu erstellen, sondern einfache Mängel gleich selbst zu beheben.“

Hohe Identitätsbindung

Wichtig ist ihm, dass seinen Mitarbeitern bewusst ist, dass es in ihrem Geschäft um Sicherheit geht: „Gerade bei der Prüftätigkeit fallen viele Routinetätigkeiten an“, räumt er ein. Daher müsse man sich bei jedem Handgriff fragen: „Was kann passieren, wenn ich meinen Job nicht gut mache?“ Und das in dem oft spannungsgeladenen Umfeld einer hektischen Krankenhausstation.

Gute Arbeite gelinge daher mit Menschen eher, die begeistert sind und denen der Beruf Spaß mache. Auch hier spiele Sicherheit eine Rolle. Die Sicherheit, dass einem vertraut werde und dass man Chancen bekomme. Das sei kein Freifahrtschein, denn gerade die jungen Mitarbeiter begleite man intensiv. Das motiviere und bringe eine hohe Identitätsbindung zum Unternehmen, wenn sie Verantwortung übernehmen dürfen. Denn, sagt Dolesch, „meine Mitarbeiter dürfen schlauer sein als ich.“ Auch die jungen.[QS6C8]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2020)