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Born in Austria, built in China: ein hübscher, puristischer Roadster namens Brixton Crossfire 500.
Roadster

Brixton Crossfire 500: Die Verjüngung des alten Eisens

Mit der Brixton Crossfire 500 startet eine frisch geschlüpfte, österreichische Marke zur Eroberung der Mittelklasse.

Brixton – wer denkt da nicht an England? Ein Londoner Stadtteil heißt so, auch zwei kleine Orte in den Grafschaften Devon und Wiltshire hören auf den eingängigen Namen. Jenes Brixton, das wir suchen, liegt allerdings in Niederösterreich, genauer gesagt in Gedersdorf. Hier am Fuß des Wagram wurde unter dem Dach der heimischen KSR Group im Jahr 2015 eine neue Motorradmarke geboren, für die man einen flotten Namen suchte. Man kam auf Brixton. Ausschlaggebend für die Wahl war der Wortklang (siehe auch Interview auf Seite 32), die internationale Färbung und der noch immer lebendige Mythos des Ace Cafés mögen hier aber wohl auch mitgespielt haben – oder sind zur späteren Anreicherung eines Markenbilds keineswegs unbrauchbar.

Brixton versteht sich als lässige, entspannte Partie im Vintage-Stil.

Brixton also. 2015 erstmals urkundlich erwähnt, muss man freilich einfügen, dass Brixton nicht das erste Kind seiner Eltern war. Die KSR Group agiert seit Jahrzehnten erfolgreich in der Motorradwelt – als Importeur (Royal Enfield, Benelli, CF Moto, Niu) und mit zahlreichen Konzernmarken. Zuletzt erweckte man mit Lambretta und Malaguti zwei Icons zum Leben; die eine bespielt klarerweise die Rollerwelt, die andere deckt die sportlich-italienischen Aufgaben ab. In diesem Reigen versteht sich Brixton als entspannte, lässige Partie im Vintage-Stil. Design und Entwicklung werden in Europa erledigt, die Auftragsfertigung geschieht in China; mittlerweile gängige Praxis und einigermaßen akzeptiert, seit auch Branchengrößen wie BMW diesen Weg beschreiten.

Am Anfang standen luftgekühlte Achtelliter-Bikes – simple, aber verlässliche Technik, gepaart mit geradlinigem Design, das sich mit der Zeit auch einige Schrullen erlaubte. Die aktuelle Modellpalette beinhaltet beispielsweise die Rayburn mit schraubengefedertem Ledersattel oder die Felsberg XC, eine Enduro im Siebzigerjahre-Look.

Nach ersten Erfolgen wurde das Portfolio auf Modelle mit einem Viertelliter Hubraum erweitert, doch bald war klar, dass man mit der neuen Marke einen Nerv getroffen hatte und weitere, größere Schritte notwendig wurden: ein eigenes Designcenter im Haus, um die Entwicklung zu beschleunigen – und ein Zweizylindermotor, um einen Fuß in die Tür der boomenden Mittelklasse zu stellen.

Das Ergebnis beider Ansätze ist die Crossfire 500. Seit kurzem erhältlich stellt sie die bislang konsequenteste Umsetzung der Brixton-Philosophie dar: puristisch, straight, leistbar, ohne billig zu sein. Dazu zeigt sie sich auch erstaunlich erwachsen: Mit klassischen Speichenrädern, geradem Lenker und flachem Sattel werden klassische Roadster-Tugenden für heutige Erwartungen aufpoliert.

Dieser optische Eindruck unterfüttert ein tief bollernder – aber nicht lauter – Motorsound ansatzlos. Ein Blick rund ums Bike identifiziert zudem hochwertige Komponenten: Die Reifen stammen von Pirelli, die Federelemente von Kayaba, die Bremsen vom spanischen Spezialisten J.Juan. Das Antiblockiersystem wurde von Bosch zugeliefert und appliziert, LED-Blinker, LED-Scheinwerfer und ein Edelstahl-Schalldämpfer sind in dieser Klasse noch längst nicht Standard.

Der Buchstabe X ist das bestimmende Design-Element – vom Tank bis zur Kühlerverkleidung.
Der Buchstabe X ist das bestimmende Design-Element – vom Tank bis zur Kühlerverkleidung.(c) Kurt Pinter

Einige Teile weisen sogar ganz direkt auf das liebevolle Elternhaus: der sauber vernähte Sattel, der ins Metall geprägte Schriftzug auf der Lenkerklemmung oder der Tankverschluss, der so edel ist wie das Pillendöschen der Queen. Eindeutig identifizierbar ist die Crossfire auch durch den x-förmigen Tank – ein Horror in der Produktion, doch die Designer haben das letzte Wort behalten.

Das Fahren selbst besticht durch Unkompliziertheit: Die Crossfire 500 lässt sich so spielerisch bewegen, dass damit auch Anfänger vor keinen Rätseln stehen. Sie ist agil, neutral, fast schon anspruchslos im Handling – und das, obwohl man mit 190 Kilo zu den schwereren Bikes dieser Liga zählt.

Die Motorleistung entspricht dem in dieser Klasse gewohnten, wobei der Zweizylinder naturgemäß laufruhiger und harmonischer, aber nicht so sportlich-direkt agiert wie in der Leistung vergleichbare Einzylinder. Vor allem im unteren Drehzahlbereich zeigt sich der Twin kultiviert, am oberen Rand lassen die Kräfte aber nach und steigende Vibrationen mahnen den nächsten Gang ein.

Die spielerische Crossfire 500 ist völlig frei von Allüren – perfekt für Rookies.

Auch die Bremsen wurden schlau abgestimmt und lassen bei guter Wirkung jede Giftigkeit vermissen; das Fahrwerk bleibt auf der moderaten Seite ohne schwammig zu werden. Gemeinsam mit dem gut gepolsterten Sattel und der gelungenen Sitzposition ist die Crossfire 500 zwar definitiv kein Racer, aber ein unterhaltsames Motorrad auch über längere Strecken; ein unkomplizierter Alltagsbegleiter mit Stil ist sie sowieso.

Klar lassen sich auch noch einige Bereiche verbessern, ein paar kleine Fehler beheben. Die Spiegel an unserem Testbike verzerren nicht nur stark, sondern gehören auch weiter außen positioniert, das Rundinstrument mit LCD-Technik dürfte seine Informationen ruhig noch etwas kontrastreicher darstellen und schräger angebracht sein.
Kleinigkeiten angesichts des stimmigen ­Gesamtpakets. Und bei dem Drive, den die Gedersdorfer entwickeln, sind wohl auch diese Punkte in Kürze behoben.

Digital Detox auf Rädern

Der erste Zweizylinder von Brixton ist für A2-Führerscheinbesitzer geeignet; das Schwestermodell Crossfire X fungiert als stilistische Abwandlung.

Name: Brixton Crossfire 500
Preis: 6499 Euro
Motor: R2-Zylinder, 468 ccm
Leistung: 48 PS
Drehmoment: 43 Nm
Gewicht: 190 kg
Sitzhöhe: 795 mm
Vmax: 160 km/h
Verbrauch: 4 l/100 km

("Die Presse - Fahrstil", Print-Ausgabe, 26.09.2020)