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Meister

Gordon Murrays letzter Streich – und ein paar seiner früheren

(c) Illustration: Mathias Böhm
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Fünf Schätze von unserem liebsten Renn-Professor.

„Schlechte Verlierer“, so fasste Brabhams Chefingenieur Gordon Murray seine Meinung zu den wütenden Protesten der anderen Teams zusammen. Mehr als ein einziger Einsatz war dem Staubsaugerauto von 1978 nicht vergönnt, immerhin verwertete Niki Lauda die Überlegenheit der Konstruktion mit einem Sieg.

(c) Illustration: Mathias Böhm

Brabham-Alfa Romeo BT46B

Ein Rennen, ein Sieg: Niki Lauda verwertete den einzigen Auftritt des „Staubsaugerautos“ mit einem Sieg (GP Schweden).

Motor: 3,0-Liter-V12-Zylinder
Leistung: 510 PS
Gewicht: 595 kg
Bauzeit: 1978

Murrays Kniff war genial: Weil Alfas V12 mit 180 Grad Zylinderbankwinkel so breit baute, ließen sich keine Venturi-Kanäle am Unterboden anbringen – mit diesen hatte aber Konkurrent Lotus den „Ground effect“ nutzbar gemacht: Anpressdruck durch beschleunigte Luftströmung an der Unterseite. Um Lotus nicht hilflos hinterher zu fahren, baute Murray einen Ventilator (engl.: Fan) am Heck ein, offiziell als Teil der Motorkühlung, tatsächlich aber, um Luft anzusaugen und Unterdruck zu erzeugen, der das Fahrzeug an den Boden saugt. Und das funktionierte: Lauda gewann in Schweden mit 34 Sekunden Vorsprung! Lotus drohte mit Rückzug aus der Formel 1, die FIA verbot die Konstruktion.

(c) Illustration: Mathias Böhm

McLaren-Honda MP4/4

Mit Honda-Power und revolutionärem Karbon-Monocoque von John Barnard gewinnt der Wagen 15 von 16 Rennen der Saison.

Motor: V6-Turbo, 1494 ccm
Leistung: 659 PS
Gewicht: ca. 540 kg
Bauzeit: 1988

(c) Illustration: Mathias Böhm

Light Car Company „Rocket“

Just for fun – mit der Rocket (Motor von Yamaha) spielte Murray das Thema Leichtbau ohne Kompromisse durch. 55 wurden gebaut.

Motor: R4-Zylinder, 1000 ccm
Leistung: 167 PS
Gewicht: 385 kg
Bauzeit: 1991-1998

Wenn Ende 2021 die ersten Exemplare von Gordon Murrays Type 50 auf die Straße rollen, ist dies auch eine glanzvolle Rückkehr des „Fan Cars“. Und ein weiteres Manifest des Leichtbaus und der Fahrfreude – was untrennbar zusammengehört, wenn's nach dem Professor geht. Die Funktionen des Fans am Heck des T.50 sind freilich wesentlich vielfältiger und komplexer als bei dem 78er-Ding. In der Zwischenzeit hatte Murray, heute 74, unter anderem das aufregendste Supercar (nicht nur) seiner Tage geschaffen, den McLaren F1. Weil ihn ärgerte, dass der nie einen Nachfolger fand, musste Murray halt selbst wieder ran.

(c) Illustration: Mathias Böhm

McLaren F1

Heiliger Gral des Sportwagenbaus? Zumindest Supertrumpf: Der F1 mit BMW-Power dominiert für ein gutes Jahrzehnt jedes Autoquartett.

Motor: V12-Zylinder, 6064 ccm
Leistung: 627 PS
Gewicht: 1138 kg
Bauzeit: 1992 bis 1998

(c) Illustration: Mathias Böhm

Gordon Murray Automotive Type 50

Radikaler Leichtbau, wieder dreisitzig, mit Cosworth-Sauger und Aerodynamik-Ventilator am Heck für den Anpressdruck: ultimativ!

Motor: V12-Zylinder, 3994 ccm
Leistung: 654 PS
Gewicht: 986 kg
Bauzeit: ab 2021

("Die Presse - Fahrstil", Print-Ausgabe, 26.09.2020)