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Frankreich

Messerattentat vor früherem "Charlie Hebdo"-Gebäude in Paris, mehrere Verletzte

Soldaten in der Nähe des Tatorts.APA/AFP/ALAIN JOCARD
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Unbekannte stachen mindestens zwei Personen nahe der früheren Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ nieder. Zwei Verdächtige sind in Haft.

Sirenen, abgesperrte Straßen, laute Rufe von Polizisten: In Paris geht nach monatelanger Pause wieder die Angst vor dem Terror um. Vor dem Gebäude, in dem das Satiremagazin "Charlie Hebdo" einst seine Redaktionsräume hatte, sind am Freitag zwei Journalisten bei einer Messerattacke verletzt worden. Die französischen Anti-Terror-Fahnder haben die Ermittlungen übernommen. Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest.

Bei einem der Verdächtigen soll es sich laut Polizeiquellen um einen 18-Jährigen aus Pakistan handeln, berichtete der Radiosender „Europe 1“. Im Bereich der Metrostation Richard-Lenoir wurde ein Hackbeil sichergestellt, bei dem es sich um die Tatwaffe handeln soll.

Opfer nicht in Lebensgefahr

Der Vorfall ereignete sich gegen zwölf Uhr mittags in der Rue Nicolas-Appert. Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter der Produktionsfirma „Premières Lignes“, die unter anderem für den Sender „France 2“ arbeitet, sind bei dem Angriff verletzt worden. Sie sollen gerade eine Raucherpause gemacht haben.

Zwei Verdächtige konnten kurze Zeit später in der Nähe des Tatorts festgenommen werden. Bei einem von ihnen soll es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um den Haupttäter handeln. Die Opfer sind nach Angaben von Premierminister Jean Castex nicht in Lebensgefahr. Die Redaktion von "Charlie Hebdo" ist mittlerweile aus der Rue Nicolas-Appert umgezogen - in den dortigen Redaktionsräumen wurden im Jänner 2015 elf Menschen brutal ermordet.

Drohungen bei „Hebdo“-Prozessbeginn

Frankreich wird seit Jahren von Anschlägen mit islamistischem Hintergrund erschüttert - dabei starben mehr als 250 Menschen. Daher ist die Terrorgefahr fast ständig im Bewusstsein der Menschen. Doch zurzeit kämpft das Land gegen das Coronavirus.

In Paris läuft seit Anfang des Monats im Justizpalast der Prozess gegen mutmaßliche Helfer der Terrorserie im Jänner 2015, bei der insgesamt 17 Menschen getötet wurden. Nur unter hohen Sicherheitsbedingen kann man den Glaspalast überhaupt betreten. Als der Prozess begann, veröffentlichte "Charlie Hebdo" erneut Mohammed-Karikaturen - und die Redaktion wurde wieder bedroht. In einem offenen Brief stellten sich rund hundert französische Medien hinter das Satiremagazin und forderten die Menschen im Land auf, sich für Meinungsfreiheit stark zu machen.

Paris abgeriegelt

Premierminister Castex eilte am Freitagnachmittag zum Tatort im elften Pariser Arrondissement. Er sprach von einem "symbolischen Ort". "Ich möchte meine Solidarität mit den Familien der Opfer und allen Kollegen dieser beiden Journalisten zum Ausdruck bringen", sagte er. Er bekräftigte seine "feste Entschlossenheit", den Terrorismus mit allen Mitteln zu bekämpfen. Auch die Redaktion von "Charlie Hebdo" reagierte: "Das gesamte Team von Charlie unterstützt seine ehemaligen Nachbarn und Kollegen und ist solidarisch mit ihnen."

Tausende Schüler mussten nach dem Angriff am Freitag über Stunden als Vorsichtsmaßnahme in den Schulen ausharren. Eltern konnte ihre Kinder nicht aus der Krippe abholen. Wieder einmal war in Paris ein ganzes Viertel Sperrgebiet - schwer bewaffnete Sicherheitskräfte riegelten das gesamte Gebiet im Pariser Osten rund um den Tatort ab, in den Straßen standen zahlreiche Einsatzfahrzeuge.

Die Behörden schätzen die Terrorgefahr im Land weiterhin als sehr hoch ein. Dem Kampf gegen den Terrorismus hat Präsident Emmanuel Macron immer höchste Priorität eingeräumt. Im April hatte ein Mann zwei Menschen in Romans-sur-Isère nahe Valence getötet. Im August fielen sechs Franzosen im Niger einem tödlichen Anschlag zum Opfer - die Terrormiliz "Islamischer Staat" hatte die Verantwortung für die Tat übernommen.

Als ehemalige Kolonialmacht ist Frankreich in Westafrika massiv im Einsatz gegen Islamistenmilizen. Der Anti-Terror-Einsatz "Barkhane" war erst im Februar auf rund 5100 Soldaten aufgestockt worden.

(APA/Reuters/dpa)