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Organisation

Hochschule mit vielen Formaten

Bei Uni und Fachhochschule denkt man zuerst an klassische Vorlesungen. Tatsächlich finden Lehrveranstaltungen in den verschiedensten Formen statt.
Bei Uni und Fachhochschule denkt man zuerst an klassische Vorlesungen. Tatsächlich finden Lehrveranstaltungen in den verschiedensten Formen statt.Die Presse / Clemens Fabry
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Auch wenn Online-Varianten verstärkt eingesetzt werden, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Lehrveranstaltungen. Welcher Typus passt wofür?

Vorlesungen, (Pro-)Seminare, Übungen – die Varietäten für die Wissensvermittlung an Hochschulen ist groß. Meist sind sie in den Satzungen der jeweiligen Bildungsinstitutionen definiert. Die Universität Salzburg etwa zählt 13 Lehrveranstaltungstypen, neben den erwähnten „Klassikern“ etwa Exkursionen, Konversatorien und interdisziplinäre Projekte. Letztere nutzen Ansätze, Denkweisen und Methoden verschiedener Fachrichtungen zur Vernetzung von Themenbereichen und verbinden theoretische und praktische Zielsetzungen. Ein interdisziplinäres Projekt sei eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung mit Anwesenheitspflicht, erklärt Martin Weichbold, Vizerektor für Lehre und Studium. Prüfungsimmanent heißt, die Note „ergibt sich nicht aufgrund eines einzigen Prüfungsaktes, sondern aufgrund mehrerer Teilleistungen während der Lehrveranstaltung.“ Die Beurteilung in einer nicht prüfungsimmanenten Veranstaltung erfolgt durch eine mündliche oder schriftliche Prüfung. Welches Thema in welche Lehrveranstaltungskategorie gegossen wird, entscheidet an der Uni Salzburg die fachlich zuständige Curricularkommission.

 

Vorlesung und Übung kombiniert

Fünf verschiedene Kategorien gibt es an der FH Kufstein. Neben Vorlesungen, Übungen und Seminaren lernt man hier in Projekten und integrierten Lehrveranstaltungen. Letztere sind eine Kombination aus Vorlesung und Übung. Sie zählen zu den nicht prüfungsimmanenten Formaten und kommen an der FH Kufstein beispielsweise in den Studiengängen Web Communications & Information Systems, Unternehmensführung sowie Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement zum Einsatz. An der FH Kufstein arbeitet ein Team aus Lehrenden, Experten, Studierenden und Absolventen an der inhaltlichen Ausgestaltung des Curriculums, der Lehrveranstaltungen und Module. „Dazu gehört die Wahl der didaktischen Konzepte, Prüfungsmodalitäten und Lehrveranstaltungstypen“, sagt Rektor Mario Döller. Alle Lehrveranstaltungskategorien kommen in den insgesamt 24 Studiengängen vor, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung.

 

Am Lernziel orientiert

Elf Lehrveranstaltungstypen können Studierende an der Vetmed-Uni Wien belegen, darunter klinische Rotation, Patientenpräsentation und Praktika. „Nicht das Thema, sondern die Learning Outcomes, also die Kompetenzen, entscheiden über den Lehrveranstaltungstyp“, sagt Vizerektorin Sibylle Kneissl. Ein Beispiel: Für das Konversatorium „Neue Therapieansätze in der Tumortherapie“ sollen die Studierenden in der Lage sein, aktuelle Konzepte der Behandlung zu präsentieren. In einer Übung wiederum lernen die Studierenden manuelle Fertigkeiten an Schlachtpräparaten. Die meisten Lehrveranstaltungen an der Vetmed haben prüfungsimmanenten Charakter, man folge der Devise „Assessment drives learning“: „Prüfungskonzepte werden an die tatsächlichen Lerninhalte und die im Berufsleben notwendigen Fertigkeiten angepasst“, erläutert Kneissl. Dies gelte insbesondere für klinisch-praktische Fertigkeiten zur späteren Berufsfähigkeit von Tierärzten.

Fachpraktische Übungen als Vermittlung von Anwendungskompetenz gibt es auch an der IMC FH Krems, und zwar im Rahmen der gesundheitswissenschaftlichen Fächer. Die Life Sciences dort kommen nicht ohne Laborstunden aus. „Daneben kennt unsere Prüfungsordnung noch Tutorien und Übungen. Diese dienen zum Üben und Nachlernen, stellen aber keine notenrelevanten Kurse dar“, sagt Martin Waiguny, Leiter des Kollegiums an der FH Krems. Die Lehrveranstaltungen ohne direkten Prüfungscharakter diesen dazu, den Input aus einer Vorlesung zu üben oder zu wiederholen. „Sie werden im Rahmen der Vorlesungsprüfungen mitabgeprüft. Bei Workshops gibt es zudem die Möglichkeit einer Bewertung mit Teilgenommen, hier gibt es zwar eine Leistungsfeststellung, jedoch kann man diese nicht abgestuft bewerten“ erläutert Waiguny. Auch hier geht man bei der Konzeption von Lehrveranstaltungen nach dem „learning outcome“. Erst wenn Inhalte und Lernziele fixiert sind, werde die entsprechende Kategorie bestimmt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2020)