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Konflikt

Kriegszustand nach schweren Kämpfen um Unruheregion Berg-Karabach

Armenien und Aserbaidschan haben ihre Kämpfe um die Region Berg-Karabach auch in der Nacht auf Montag fortgesetzt.
Armenien und Aserbaidschan haben ihre Kämpfe um die Region Berg-Karabach auch in der Nacht auf Montag fortgesetzt.(c) REUTERS (ARMENIAN MINISTRY OF DEFENCE)
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In den Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan gilt nach schweren Gefechten der Kriegszustand. UN-Generalsekretär António Guterres zeigt sich „extrem besorgt“. Die Türkei schickt laut Armenien 4000 Kämpfer aus Syrien.

Nach schweren Kämpfen mit zahlreichen Toten und Verletzten in der Konfliktregion Nagorny-Karabach (Berg-Karabach) gilt in den verfeindeten Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan der Kriegszustand. In Aserbaidschan trat das in der Nacht auf Montag in Kraft, wie Staatschef Ilham Aliyev am Wochenende entschied. In der Ex-Sowjetrepublik soll es in einigen Landesteilen abends Ausgangssperren geben.

In Armenien mobilisierte Regierungschef Nikol Paschinian in Eriwan bereits am Sonntag die Bevölkerung und verhängte im ganzen Land den Kriegszustand. Zuvor hatte Aserbaidschan eine Militäroperation gegen Berg-Karabach begonnen und eroberte mehrere Dörfer.

Armenien hat außerdem der Türkei vorgeworfen, sich massiv in den Konflikt einzumischen. Die Agentur Interfax zitierte am Montag den armenischen Botschafter in Russland mit den Worten, die Türkei habe rund 4000 Kämpfer aus Nordsyrien nach Aserbaidschan geschickt. Die Agentur Ria berichtete, der Botschafter habe erklärt, die Kämpfer würden bei den Zusammenstößen in Berg-Karabach eingesetzt. Aserbaidschan wies die Vorwürfe zurück.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Armenien zum Rückzug aus der umkämpften Regionaufgerufen. "Es ist nun an der Zeit, die Krise in der Region, die mit der Besetzung des Berg  arabach begonnen hat, zu beenden. Die Region wird erneut Frieden und Ruhe finden, wenn Armenien den von ihm besetzten aserbaidschanischen Boden sofort verlässt", so Erdogan am Montag in Istanbul. Die Türkei stehe "mit allen Mitteln und ganzem Herzen" an Aserbaidschans Seite.

Schwerste Eskalation seit Jahrzehnten

Die von Armenien kontrollierte Region mit geschätzt 145.000 Einwohnern gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Es handelt sich um die schwerste Eskalation seit Jahrzehnten.

In Berg-Karabach wurden nach offiziellen Angaben 16 Soldaten durch Beschuss getötet und mehr als 100 verletzt. Aserbaidschan teilte mit, dass es fünf Tote und Verletzte in den eigenen Reihen gebe. Armenien behauptete, dass 200 Soldaten auf der gegnerischen Seite getötet worden seien. Das bestätigte Baku jedoch nicht. Unter den Opfern sind nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz auch Zivilisten.

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Armenien behauptete am Sonntagabend, dass die Türkei Aserbaidschan unterstützt haben soll. Das Verteidigungsministerium in Eriwan habe Informationen dazu; dass etwa türkische Waffen zum Einsatz gekommen seien. Regierungschef Paschinian betonte bei einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auch, dass sich die Türkei sehr aggressiv verhalte. Ankara müsse abgehalten werden, sich in diesen Konflikt einzumischen. Eine Reaktion aus der Türkei gab es bisher nicht.

Internationale Rufe nach Waffenruhe

Die EU, Österreich, Deutschland und auch Russland riefen die Konfliktparteien auf, die Kämpfe sofort einzustellen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das österreichische Außenministerium äußerte sich auf Twitter "sehr alarmiert" und forderte eine Deeskalation sowie Rückkehr zum Dialog. "Gefrorene Konflikte können sich schnell erwärmen." Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) betonte, dass die OSZE-Minsk-Gruppe mit ihren drei Co-Vorsitzenden Frankreich, Russland und USA für Verhandlungen bereitstehe. Die OSZE ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Iran, der gute Beziehungen zu beiden Ländern hat, bot sich ebenfalls als Vermittler an.

UNO-Generalsekretär António Guterres zeigte sich ebenfalls beunruhigt über die Eskalation des Konflikts. Er werde deswegen auch noch mit dem Präsidenten von Aserbaidschan und dem Regierungschef von Armenien sprechen, hieß es. US-Präsident Donald Trump sagte am Sonntag, dass die Vereinigten Staaten versuchen würden, die Gewalt zu stoppen. "Wir schauen sehr genau hin", sagte der Präsident in einer Pressekonferenz am Sonntagabend. "Wir haben viele gute Beziehungen in diesem Bereich. Wir werden sehen, ob wir es aufhalten können."

Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 stark auf - es starben mehr als 120 Menschen. Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, das dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hat die Türkei als verbündeten Bruderstaat.

(APA/dpa/Reuters)