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Was ist unbezahlte Arbeit unserer Gesellschaft wert?

Wird Haus- und Sorgearbeit in Österreich genug gewürdigt? Hat die Coronakrise die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zurückgeworfen oder birgt sie eine Chance in sich? Diskutieren Sie mit!

Für viele Eltern in Österreicher bedeutete die Coronakrise heuer vor allem eines: mehr Arbeit, vor allem wenn man die unbezahlten Tätigkeiten betrachtet. Eine Gruppe rund um die Ökonomin Katharina Mader hat sich nun zur Aufgabe gemacht, diese zu bepreisen. So kommen die Forscherinnen etwa zum Ergebnis, dass eine Mutter, die während des Lockdowns 55 Stunden kochte, 47 Stunden putzte, 77 Stunden mit Kinderbetreuung, 48 Stunden mit Home-Schooling und 97 Stunden mit Freizeitgestaltung für ihre Kinder verbrachte, 3860 Euro „erwirtschaftet“ hätte. Berechnet wurde das mithilfe eines Spezialistenansatzes, also mit dem Lohn, den ein Spezialist am Arbeitsmarkt dafür erhalten würde. Den Forscherinnen geht ihnen vor allem um das Sichtbarmachen der unbezahlten Arbeit, die Frauen immer noch mehr als Männer betrifft.

Nicht alle erlebten die Zeit des Lockdowns nur als Belastung. So berichtete etwa eine Leserin, sie habe mit sechs Kindern „eine intensive, aber auch sehr schöne Familienzeit“ erlebt. Dennoch zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Bildungsministeriums: Rund 70 Prozent der Eltern in Österreich wollen kein Home-Schooling mehr - auch, wenn die zweite Corona-Welle kommt. Das wundert Hanno Lorenz wohl nicht. „Die Politik hat es versäumt, einen Notfallplan für den Unterricht zu erstellen“, kritisierte der Ökonom beim wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria. Er fürchtet, dass der Unterricht einmal mehr auf die Eltern abgewälzt. Zusätzlich zu den bildungspolitischen Problemen würde das „wirtschaftliche Folgen enormen Ausmaßes“ haben.

Dass die Coronalkrise nicht alle gleich treffe, schreiben die Gender-Forscher Brigitte Ratzer und Maciej Palucki. Sie zeige deutlich das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Die Autoren fordern in einem Gastkommentar einen Systemwandel. Manche fürchten gar, dass die Coronakrise ohne Gegensteuern die Gleichstellung um Jahrzehnte zurückwirft. Zukunftsforscher Daniel Dettling sieht das etwas anderes. Er bewertet die Krise als Game Changer: Home Office werde viel alltäglicher, die Arbeitszeiten flexibler, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfacher. Dettling: „Nicht Effizienz wird zum wichtigsten Wert in der Post-Corona-Arbeitswelt, sondern Resilienz."

„Ehepartner, Politik und Arbeitgeber gehen mit großer Selbstverständlichkeit davon aus, dass Kinderbetreuung und Home-Office von nur einer Person, der Frau und Mutter, vereint werden können“, kritisieren indes die Wissenschaftlerinnen Carina Maier und Miriam Fahimi. Sie meinen außerdem: „Im vermeintlich Privaten bleibt Sorgearbeit unsichtbar.“. Der Titel ihres Gastkommentars: „Sie nennen es Liebe, wir nennen es Systemerhaltung“.

(sk)

Diskutieren Sie mit: Wird unbezahlte Arbeit in Österreich genug gewürdigt? Hat die Coronakrise die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zurückgeworfen oder birgt sie eine Chance in sich? Was halten Sie von Home Schooling und Home Offce? Und: Was empfinden Sie in der Debatte als fair?