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Entscheidung bis 2031

Atommüll-Endlager: Deutschland sucht Standort für eine Million Jahre

Archivbild von Protesten in Gorleben gegen ein Atommülllager.
Archivbild von Protesten in Gorleben gegen ein Atommülllager.APA/AFP/JOHANNES EISELE
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90 Regionen hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung aufgelistet. Jetzt soll die Liste nach und nach gekürzt werden. Fix ist: der umstrittene Standort Salzstock Gorleben wird es nicht.

Wohin mit dem Atommüll? Diese Frage stellt sich derzeit Deutschland. 90 Gebiete haben nach neuesten Erkenntnissen günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Der jahrzehntelang umstrittene Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist allerdings nicht darunter. Das steht im am Montag veröffentlichten Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Von einer endgültigen Entscheidung ist man aber noch weit entfernt. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. Die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll in Deutschland ist aber in Fahrt gekommen - vor allem in den Gebieten, die nun näher unter die Lupe genommen werden sollen. Ausgelegt werden soll der Bau für eine Million Jahre.

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. Bis 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. Der Bericht listet erst einmal alle Regionen in Deutschland auf, "die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen", so schreibt es das entsprechende Gesetz vor. Deswegen sind es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete. Konkreter wird es erst in den kommenden Jahren.

Die BGE hat andere Salzstöcke in Niedersachsen wie auch Gebiete in Baden-Württemberg sowie große Teile Ostdeutschlands auf der Liste. Das westliche Saarland, das nordöstliche Mecklenburg-Vorpommern und Teile des Ruhrgebiets finden sich dagegen nicht darauf. Das Ruhrgebiet scheidet wegen der zahlreichen alten Bergwerke aus, die das Gebiet geologisch unsicher machen. Auch kommt Bayern in die Diskussion, wo das Granitgestein grundsätzlich als geeignet für ein unterirdisches Atommüll-Lager genannt wird. Die bayerische Landesregierung hatte ihren Staat dagegen bereits im Vorfeld wiederholt als ungeeignet bezeichnet.

Kritik aus Bayern

Auch auf den Zwischenbericht reagierte Bayern verägert. "Wenn man breit angelegt diskutieren möchte, bleibt die Frage, warum man Gorleben fundamental ausschließt", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag in München. "Das ist eine Schwäche in der Argumentation." Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) habe dies nicht ausreichend begründet.

Für die Erkundung des Salzstocks seien jahrzehntelange Arbeit aufgewendet und nun viele Milliarden Euro verschwendet worden. Er verwies darauf, dass die BGE zwei Drittel von Bayern als grundsätzlich geeignet halte und deutschlandweit mehr als die Hälfte der Fläche. "Ich befürchte, dass sehr viele Menschen jetzt sehr verunsichert sind." Allein in Bayern betreffe dies acht Millionen.

Unverständlich nannte es Söder auch, dass ein Endlager für eine Million Jahre ausgelegt werden soll. Das sei eine "mutige und interessante Einschätzung". Die Gesteinsart Granit, die vor allem in Bayern vorkommt, sei dafür nicht sinnvoll.

Dennoch sagte Söder, Bayern werde sich nicht grundsätzlich bei der Suche verweigern. "Wir werden keine Totalblockade machen. Wir ducken uns auch nicht weg." Man werde sich konstruktiv auch mit Wissenschaftlern aus Bayern einbringen.

Die ewige Gorleben-Debatte

In den 1970er Jahren war beschlossen worden, in Gorleben ein Endlager einzurichten, seitdem hatten jahrzehntelange Erkundungen des Salzstocks stattgefunden. Damals lag der Ort nahe der DDR-Grenze im sogenannten Zonenrandgebiet. Gegen ein mögliches Lager dort gab es jahrzehntelangen Widerstand. Zudem existiert in Gorleben seit 1995 ein Atommüll-Zwischenlager. Transporte dorthin aus französischen Atommeilern riefen in den vergangenen Jahren immer wieder Proteste und Blockaden von Umweltaktivisten hervor.

Nun wurde die Endlager-Suche komplett neu gestartet. Ausgehend von einer "weißen Landkarte", auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt.

Deutschland will bis Ende 2022 komplett aus der Atomstromerzeugung aussteigen. Zur Zeit sind nur noch sechs Atomkraftwerke in Betrieb, vor zehn Jahren es noch 17.

27.000 Kubikmeter radioaktiver Müll

Weltweit gibt es bisher in keinem Staat ein Endlager für solchen Müll. Deutschland hat entschieden, die Abfälle nicht ins Ausland zu bringen und sie stattdessen unter Tage einzulagern.

Wenn Ende 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz geht, wird etwa 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Müll bleiben. Für diesen wird ein Raum mit 30 mal 30 mal 30 Metern gebraucht. Er soll in einer Tiefe von mindestens 300 Metern und einer Gesteinsschicht mit mindestens 100 Metern Mächtigkeit entstehen.

Von den Kosten für die Endlagerung haben sich die Atomkonzerne mit einer Zahlung von gut 24 Milliarden Euro befreit, die jetzt in einem staatlichen Fonds angelegt sind.

(APA/dpa/Reuters)