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Gefechte

Krieg in Berg-Karabach: Türkei schickt Syrien-Kämpfer nach Aserbaidschan

Ein Screenshot eines Videos des aserischen Verteidigunsministeriums, der Artilleriefeuer in Richtung Berg-Karabach zeigen soll.
Ein Screenshot eines Videos des aserischen Verteidigunsministeriums, der Artilleriefeuer in Richtung Berg-Karabach zeigen soll.APA/AFP/Azerbaijani Defence Mini
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Auch in der Nacht auf Montag gab es schweres Artilleriefeuer. Seit der jüngsten Eskalation des Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan gab es Dutzende Tote.

Trotz internationaler Appelle zur Zurückhaltung gehen die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach weiter. Die beiden ehemaligen Sowjet-Republiken beschossen sich nach Angaben ihrer Verteidigungsministerien auch am Montag mit Artilleriefeuer. Berg-Karabach sprach von 28 weiteren Toten auf seiner Seite, seit Sonntag sind es demnach 59. Aserbaidschan meldete sechs Tote.

Laut Agentur Interfax wurden auch rund 200 Armenier verletzt. Aserbaidschan meldete 19 Verletzte und ordnete eine Teil-Mobilmachung an. In Armenien gilt dies schon seit Sonntag. Zudem haben beide Länder Kriegsrecht verhängt. Die schwersten Kämpfe um die Region seit 2016 waren am Sonntag wieder aufgeflammt, wofür sich beide Länder gegenseitig die Schuld geben. Armenien hat ein Verteidigungsbündnis mit Russland, die Türkei ist ein Verbündeter Aserbaidschans.

Appelle zum Dialog verhallen

China und Russland forderten beide Länder zur Beendigung der Kämpfe und zum Dialog auf. Die EU tat Gleiches. Ein Sprecher des Außenbeauftragten Josep Borrell bezeichnete die jüngste Entwicklung am Montag in Brüssel als "sehr beunruhigend". "Deshalb appelliert die EU an beide Seiten, die Gewalt zu unterlassen." Es könne keine militärische Lösung geben; man brauche neue Verhandlungen. "Ein Ende der Feindseligkeiten ist dringend nötig." Die EU warnte ausländische Mächte zudem vor einem Eingreifen in den Konflikt. "Eine Einmischung von außen ist nicht akzeptabel", sagte der Sprecher Borrells. Der Konflikt berge das Risiko "ernsthafter Konsequenzen" für die Stabilität der gesamten Kaukasus-Region.

Beide Konfliktparteien warfen sich vor, ausländische Unterstützung zu erhalten. Die Agentur Interfax zitierte den armenischen Botschafter in Russland mit den Worten, die Türkei habe rund 4000 Kämpfer aus Nordsyrien nach Aserbaidschan geschickt. Dem armenischen Außenministerium zufolge kämpfen türkische Militärexperten "Seite an Seite" mit Aserbaidschanern. Der Nachbar wies die Vorwürfe zurück. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte zudem, Armenien müsse die "Söldner und Terroristen" zurückschicken, die es von Außen in die Region gebracht habe.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan forderte, Armenien müsse sich sofort von aserbaidschanischem Land zurückziehen. Am Sonntag hatte er dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew bereits "verstärkte" Solidarität zugesagt. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte mit dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinian telefoniert. Dieser hatte die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, eine Einmischung der Türkei in den Konflikt zu verhindern.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, für die Eskalation verantwortlich zu sein. Aserbaidschan hatte erklärt, Armenien habe Berg-Karabach aus der Luft und mit Artillerie beschossen. Die eigenen Truppen hätten daraufhin Panzer, Hubschrauber und Drohnen der gegnerischen Seite zerstört. Aserbaidschan erklärte indes, man habe auf einen armenischen Angriff reagiert.

Armenien beantragte inzwischen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Sofortmaßnahmen gegen Aserbaidschan. Ein entsprechender Antrag der Regierung in Eriwan sei am Montag eingegangen und werde derzeit geprüft, sagte eine Sprecherin des Straßburger Gerichts. Der EGMR ist der gerichtliche Zweig des Europarates, dem sowohl Armenien als auch Aserbaidschan seit 2001 angehören.

Armenien und Aserbaidschan streiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erneut über die Zugehörigkeit von Berg-Karabach, das völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört - aber hauptsächlich von Armeniern bewohnt wird und sich 1991 von Aserbaidschan lossagte. Der Westen und die Länder der Region sehen den Konflikt mit Sorge, da er den Südkaukasus destabilisieren könnte. Dort verlaufen wichtige Öl- und Gaspipelines. Obwohl das mehrheitlich christliche Armenien und das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan 1994 einen Waffenstillstand schlossen, werfen sie sich regelmäßig gegenseitig Angriffe rund um Berg-Karabach mit seinen rund 150.000 Einwohnern und entlang der gemeinsamen Grenze vor. Dabei hatte es wiederholt auch Tote gegeben.

 
 

(APA/Reuters/dpa/AFP)