Für Schulministerin Schmied ist der Konflikt mit den Ländern um die Lehrer ein „Sommertheater“. Dabei verkennt sie ihre eigene Rolle.
Claudia Schmied steht noch ganz im Banne der Festspiele von Bregenz bis Salzburg. Weil der Ministerin ohnehin die hohen Künste persönlich näher sind als das kleinkrämerisch-sozialpartnerschaftliche Gefeilsche mit Gewerkschaftern und Provinzpolitikern, verwundert es wenig, dass sie am Freitag ins Rezensentenfach gewechselt ist: Sie stufte die Kraftprobe mit den Ländern um die Zuständigkeit für die Lehrer zum „Sommertheater“ herab.
Wenn's denn nur eine leichte, heitere Freiluftaufführung wäre, eine Hetz halt. Das ist sie jedoch keineswegs. Vielmehr wird ein Stück gegeben, bei dem es für die Ressortchefin um Sein oder Nichtsein als Schulministerin geht. Zumindest dann, wenn Claudia Schmied künftig noch problemlos am Morgen in den Spiegel schauen will. Seit der Schmach im Vorjahr bei der Niederlage auf offener Bühne gegen die Lehrergewerkschaft im Streit um zwei Unterrichtsstunden mehr, steht Schmied arg zerzaust da. Das lässt sich mit einem Airbrush-Make-up, wie sie es schon eingesetzt hat, auch nicht mehr kaschieren.
Dabei wird Schmied in ihrer Rolle allerdings viel mehr Rückhalt bei der Regierungsspitze, bei ihrem Bundeskanzler Faymann und bei Finanzminister Pröll, brauchen als in der Vergangenheit. Nur: Als große Regisseure auf der österreichischen Regierungsbühne wird nicht einmal Hobbyrezensentin Schmied die beiden erlebt haben. (Berichte: Seite 4)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2010)