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Morgenglosse

Kurzarbeit kann viel – nur nicht die neue Normalität werden

Die dritte Phase der Kurzarbeit beginnt, für Unternehmen und Arbeitnehmer wird es nicht leichter. Und ja: Die Frage „Wie lange noch?“ hat schon auch ihre Berechtigung.

Heute beginnt sie also, die dritte Phase der Corona-Kurzarbeit. Sie wird anders werden als die ersten beiden: 30 Prozent Arbeitszeit als Minimum. Und kein Automatismus mehr für die Unternehmen. Bisher war es ja so: Wer die bürokratischen Hürden bei der Antragstellung sauber genommen hatte, der hatte es geschafft. Was die Leistung keineswegs schmälern soll. Auch das war mehr als fordernd, besonders am Anfang.

Jetzt reicht das aber nicht mehr. Firmen müssen nun auch Prognosen erstellen. Und inhaltlich begründen, warum sie die Kurzarbeit noch brauchen und warum sie erwarten, dass sie ihnen immer noch hilft, diese Krise zu überstehen. Leicht möglich, dass das zu einer neuen Hürde wird. Vor allem viele kleine Unternehmen werden dafür externe Unterstützung brauchen. Und die müssen sie sich erst einmal leisten können.

Die Frage an sich ist aber nicht unbegründet. Das ist ein Punkt, der auch immer mehr Ökonomen Sorgen macht: Dass womöglich zu lang auf Kosten der Steuerzahler kurzgearbeitet wird. Und zwar auch dann, wenn es den Unternehmen in Wahrheit nichts mehr bringt. Sondern nur noch dazu führt, dass Pleiten aufgeschoben werden. Dann würde die Kurzarbeit auch keine Arbeitsplätze mehr retten, sondern höchstes das Unvermeidliche hinauszögern.

Auch Arbeitnehmer sollten sich besser nicht daran gewöhnen, dauerhaft 80 Prozent (oder noch weniger) zu arbeiten und 90 Prozent zu verdienen, sagte kürzlich AMS-Chef Johannes Kopf zur „Presse“. Irgendwann müsse man raus aus der Kurzarbeit. Irgendwann sei es gescheiter, arbeitslos zu werden und woanders einen neuen Job zu finden.

Anmerkung am Rand: Auf Dauer ist es für die meisten unfreiwillig kurzarbeitenden Arbeitnehmer alles andere als lustig, nur 90 Prozent - oder in sehr vielen Fällen noch weniger - zu verdienen. Trotzdem, die Sorge ist berechtigt. Wobei ja gerade der AMS-Chef nicht im Verdacht steht, vorschnellen Kündigungen das Wort zu reden. Er betonte auch, dass es jetzt noch nicht so weit sei - aber im Frühling müsse man sich das sehr genau anschauen.

Im Frühling. Da kann einem schon mulmig werden irgendwie. Wenn diese Kurzarbeitsphase endet – die diesmal auf sechs Monate angelegt ist – dann ist wirklich schon wieder Frühling. Dann haben wir schon über ein Jahr Corona-Krise hinter uns. Und ja, es stimmt: Dort, wo dann immer noch nicht wieder „lang" gearbeitet werden kann, wird man genau hinschauen müssen.

Kurzarbeit ist besser als keine Arbeit, auch jetzt noch. Als neue Normalität eignet sie sich nicht.