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Geschmacksfrage

Testessen im Opern Pop-Up

Christine Pichler
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Willkommen in der Zeitschleife: Jugenderinnerungskoch Bernie Rieder bereitet Entenmägen in der Oper zu. Großartig.

Acht Jahre habe ich auf Empfehlung von Kollegen und manchen Leserinnen fast lückenlos der Restaurantkritik entsagt. Ein Chefredakteur verliere an Glaubwürdigkeit, wenn er über Küchen und Köche schreibe. Zu leicht würde ich Zielscheibe der Kritik, wenn etwa politische Kommentare dem einen oder anderen missfielen. Tatsächlich meinte etwa Michael Häupl, Bürgermeister während beinahe meiner gesamten bisherigen Journalisten-Laufbahn, ich solle besser über Restaurants und Essen schreiben, da kennte ich mich im Gegensatz zur Politik schließlich aus. Den Satz kann man bewusst auch anders lesen. Michael Häupl ist im Ruhestand, ich schreibe wieder und testete konsequenterweise mit seinem ehemaligen Pressesprecher ein Lokal, das in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist.

Der neue Staatsoperndirektor Bogdan Roščić, übrigens bekennender Restaurantkritik-Leser, will das alte Café Oper zu einem Besucherzentrum umbauen. Bis es so weit ist, wurde ein Cateringunternehmen verpflichtet, ein Pop-up-Lokal zu betreiben, das – sagen wir es vorsichtig – etwas karg und zugig wirkt: DoN betreibt auch noch das Catering für die ÖBB und hat gerade die Pastakette Vapiano übernommen.

Christine Pichler

ÖBB, Oper, Fertiglasagne? Klingt absurd, geht aber noch lustiger: Bernie Rieder wurde für das Projekt angeworben. Rieder ist der Leo Hillinger der Küchen, stand in meinem alten Restaurantkritiker-Leben im „Das Turm“ am Wienerberg oder „Österreicher“ im MAK, beide selig. Bekannt war er einst für betont männlichen Gewürzeinsatz und seine großartigen bunsenbrennergeflämmten Enten.

Hier darf er mit zwei Induktionsplatten arbeiten und soll, wie die Karte verrät, vor allem Gulasch produzieren, das in der klassischen Rindsvariante ebenso ordentlich gerät wie in der Kalbsrahm-Ausgabe, nur mürber könnte das Fleisch um einiges sein. Aber wenn ich Gulasch brauche, gehe ich ins Anzengruber. Hier gibt es schließlich wunderbare Rieder-Klassiker und -Neukreationen.

Der flaumige Enten-Hascheeknödel macht den besten Grammelknödeln Konkurrenz. Die endlos geschmorten, wuchtig gewürzten Entenmägen in buttercremiger Polenta müssten asiatischen Gästen nach der Oper den Rest geben. Hoffentlich bleibt Rieder lang, bis zu ihrer Wiederkehr. In Wien gibt es die ungewöhnlichste Opernkantine der Welt mit (noch) großzügigen abendlichen Öffnungszeiten. Mehr solche paradoxe Interventionen im kulinarischen Kulturbereich, bitte! Man sitzt übrigens auf Plastik, aber mit viel Abstand. Gut für hintergründige Gespräche.

Don’s Opern Pop-up, Opernring 2, 1010 Wien,
Tel.: +43/(0)664/800 22 71 25,
Restaurant: ­Mo–Fr: 17–1 Uhr.

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