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Onlineberatung

Rat im virtuellen Raum

Mit Corona stieg der Bedarf an psychologischer Beratung aus der Ferne. Einschlägige Fortbildungen sind entsprechend gefragt.

Einer der häufigsten Gründe, das Internet zu verwenden, ist die Suche nach Gesundheitsinformationen. Die Anonymität und Niederschwelligkeit des World Wide Web bieten zudem die Basis, mit Beratern in Kontakt zu kommen. Covid-19 fungiert als Beschleuniger. Kompetenzen in der Onlinekommunikation zu verdichten ist für Professionisten aktueller denn je.

„Grundsätzlich war das Thema auch zuvor präsent, im Rahmen der Coronamaßnahmen hat es aber an Bedeutung gewonnen, auch, weil Beratungen und Behandlungen, die bis dahin face-to-face erfolgt sind, oft in den virtuellen Raum verlegt worden sind und in unterschiedlichen medienbasierten Formen stattgefunden haben“, sagt Gerald Kral. Der klinische Psychologe, Psychotherapeut und Coach ist Referent an der Österreichischen Akademie für Psychologie (ÖAP). Rechtliche Rahmenbedingungen und technische Durchführungsmöglichkeiten stehen in den Kursen für Psychologen, klinische Psychologen und Gesundheitspsychologen genauso auf dem Programm wie theoretische Konzepte und praktische Übungen.

 

Eigenheiten des Mediums beachten

Die Methoden für Onlineberatung seien grundsätzlich ähnlich, „was aber notwendig ist, ist Wissen darüber, wie das im jeweiligen Medium transportiert werden kann – dafür braucht es profunde Kenntnisse über Theorien computervermittelter Kommunikation und die Gesetzmäßigkeiten von Onlinekommunikation.“ Mit dieser Form der Beratung können nun Personengruppen erreicht werden, „die man sonst gar nicht erreichen könnte, weil Scham oder Ängste zu hoch sind“, sagt Kral.

„Schreiben statt reden und lesen statt hören – Psychologische Onlineberatung“ von Expertin Birgit Dorninger-Bergner ist eines der demnächst stattfindenden ÖAP-Seminare, das auch als Fortbildung für das Gütesiegel „Psychologische Onlineberatung“ anerkannt wird. Es wird vom Berufsverband Österreichischer Psychologen verliehen, „damit wollen wir Klienten die Sicherheit eines qualitativ hochwertigen Online-Beratungsangebotes geben“, sagt ÖAP-Geschäftsführerin Monika Glantschnig. Für den Zertifizierungsprozess müssen neben themenspezifischer Fortbildung auch Ausbildung und Erfahrung nachgewiesen werden.

Einen einsemestrigen Universitätslehrgang zu Onlineberatung bietet die Sigmund-Freud-Privatuniversität – auch in Kooperation mit der psychologischen Onlineberatungsplattform Instahelp. Voraussetzungen sind ein abgeschlossenes Psychologiestudium und die Eintragung in die Bundesministeriumsliste für Gesundheit als klinische Psychologen und/oder Gesundheitspsychologen. Das Curriculum thematisiert in vier Modulen die Gestaltung einer professionellen Onlinepräsenz und den Beziehungsaufbau im Online-Setting genauso wie Datensicherheit, strafrechtliche Verantwortlichkeit und Verschwiegenheitspflichten, Schreibstilentwicklung, aktuelle Studienergebnisse zum Thema Mensch-Technik-Beziehung, Krisenpläne und Evaluationskonzepte.

 

Entwicklung beschleunigt

Stefan Kühne vom Institut Die Forschungsgreisslerei, das auch In-House-Fortbildungen anbietet und neue Entwicklungen wie game- und avatarbasierte Beratung sowie Virtual Reality mit einbezieht, ist Co-Leiter des Lehrgangs für Onlineberatung am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung in Strobl am Wolfgangsee. Zielgruppe sind psycho-sozial begleitende und beratende Fachkräfte. Auch für ihn ist „Onlineberatung kein neues Thema, allerdings ist der Druck auf beratende Berufe gestiegen, die Entwicklung in die digitale Richtung wird bleiben“. Neue Settings verlangen unter anderem nach spezifischen Interventionsechniken – ob im Chat, bei Mail oder in der Videokonferenz, „besonders zu beachten sind diese bei zeitversetzten, asynchronen Beratungsformaten“. Auch „Blended Counseling“ als Verknüpfung von Face-to-face-Gespräch und Beratung mittels digitaler Medien wird verstärkt zum Thema.

Seminare bieten darüber hinaus die Uni for Life der Universität Graz, das BFI und das Beratungsunternehmen Eko Life, das sich auf angewandte Wirtschafts-, Arbeits- und Gesundheitspsychologie fokussiert hat. Viele Fortbildungen sind komplett über E-Learning absolvierbar. „So wie diese Beratungsform nicht für alle Klienten geeignet ist, ist sie auch nicht für alle Berater geeignet – eine gewisse Technik- und Online-Affinität ist von Vorteil, teilweise auch, dass jemand gern schreibt, denn neben video- und sprachbasierten Formen erfolgt Beratung in diesem Bereich häufig schriftlich“, sagt Kral.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2020)