Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Fälschungen

Achtung, Fake! Ein Museum flüchtet nach vorn

Zweimal „Malerische Architektonik“ von Ljubow Popowa. Das linke Bild hängt in Köln, das rechte in Madrid. Welches von beiden ist eine Fälschung?
Zweimal „Malerische Architektonik“ von Ljubow Popowa. Das linke Bild hängt in Köln, das rechte in Madrid. Welches von beiden ist eine Fälschung?Museum Ludwig Köln
  • Drucken

Böse Überraschung: Fast die Hälfte der Sammlung Russischer Avantgarde im Kölner Museum Ludwig ist wohl nicht echt. Was macht man da? Eine tolle Ausstellung, die auch zeigt, mit welchen Methoden sich Betrug entlarven lässt.

In der Suppe findet sich oft ein Haar. Aber nicht nur dort. „Suprematismus“ heißt das Bild, so wie die revolutionäre Kunstrichtung, mit der Kasimir Malewitsch seine Zeitgenossen verstörte. Einer seiner Mitstreiter, Ilja Tschaschnik, soll es 1923 gemalt haben. Aber da ist dieses Haar. Es löste sich vom Pinsel, mit dem der hellgraue Hintergrund zügig aufgebracht wurde, und lagerte sich in die Farbschicht ein. Unter UV-Licht kann man es sehen. Die chemische Analyse ergibt: Es ist aus einem Polyamid. Solche synthetischen Fasern finden sich auch im Gewebe des Bildträgers. Entwickelt wurden sie erst Mitte der 1930-Jahre in Amerika, in die Sowjetunion kamen sie viel später. Da war der angebliche Schöpfer des Bildes längst tot, und niemand arrangierte dort mehr geometrische Formen, außer in betrügerischer Absicht. Kein Zweifel: „Suprematismus“ ist eine Fälschung.

Eine solche böse Überraschung erlebte das Museum Ludwig in Köln nicht nur bei diesem Bild. Einer der Schwerpunkte der Sammlung, die der Schokoladenfabrikant Peter Ludwig und seine Frau, Irene, der Stadt vermacht haben, sind rund 100 Gemälde der Russischen Avantgarde aus der Zeit von 1905 bis 1930. Seit einigen Jahren unterzieht man sie einer Prüfung, und das Zwischenergebnis ist bestürzend: Von bisher 49 untersuchten Bildern erwiesen sich 22 als – nun ja, sagen wir „wahrscheinlich falsch zugeschrieben“, das ist juristisch vorsichtiger. Noch nie hat ein deutsches Museum in einem solchen Umfang vermeintliche Meisterwerke abschreiben müssen.