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Dieser Designer machte aus der Silhouette ein Geheimnis

Der Designer mit zweien seiner Bilder. Zippverschlüsse verweigerte er strikt.
Der Designer mit zweien seiner Bilder. Zippverschlüsse verweigerte er strikt.APA/AFP/FRED DUFOUR
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Kenzō Takada emanzipierte mit seinen farbenprächtigen Entwürfen und fließenden Schnitten die Damenmode vom Diktat der Figur. Jetzt starb er 81-jährig an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung.

Der Protagonist in Charles Aznavours Chanson „Emmenez-moi“ steht voller Sehnsucht im Hafen, betrachtet die Schiffe. Der Refrain ist unzweideutig: „Nimm mich doch mit ans Ende der Welt, nimm mich mit in die Wunderwelt, denn mir scheint, als ob die Sonne das Leiden der Menschen erhellt.“ Allein, das von Aznavour beklagte Grau, das gibt es überall. Und so stand der 26jährige Kenzō Takada 1965 an der Reling so eines ankommenden Schiffs in Marseille. Er betrat französischen Boden, um ein halbes Jahr zu bleiben. Es wurde ein Leben lang. Was Tagada mit dem Protagonisten in Aznavours Chanson verband, war jedenfalls die schöne Idee, dass Licht und Farben die menschliche Existenz positiv verändern.

Der 1939 in der Präfektur Hyōgo geborene Designer setzte sie von Anbeginn nicht zu sparsam ein. „Wir hatten nichts“, sagte er gerne über seine frühen Jahre. Einzig die amerikanischen Schwarz-Weiß-Filme halfen ihm über die unsinnlichen Jahre der Nachkriegszeit hinweg. Früh begann er mit dem Zeichnen, eine Beschäftigung, die manische Ausmaße annahm. Als erster männlicher Student an der Bunka Fukuso Gakuin in Tokio entdeckte er in den späten Fünfzigerjahren über seinen Lehrer Chie Koike, der mit Karl Lagerfeld und Yves Saint-Laurent studiert hatte, letzteren als lebenslange Inspiration für sich. „Er machte mich Träumen“, sagte er stets. Während er sich später mit dem sechs Jahre älteren Karl Lagerfeld befreundet hat, hielt er zum nur drei Jahre älteren Yves Saint-Laurent respektvolle Distanz.