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Volksoper

Lotte de Beer wird neue Direktorin der Wiener Volksoper

NEUE K�NSTLERISCHE GESCH�FTSF�HRUNG DER VOLKSOPER WIEN: DE BEER
Die neue Direktorin der Wiener Volksoper heißt Lotte de Beer.(c) APA (HANS PUNZ)
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Staatssekretärin Andrea Mayer stellte die Nachfolge von Robert Meyer ab 2022 vor. Die 39-jährige Regisseurin ist eine Überraschungskandidatin.

Die neue künstlerische Leitung der Wiener Volksoper ab der Saison 2022/23 wurde enthüllt: Lotte de Beer wird neue Direktorin. Das gaben Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) und Christian Kircher als Bundestheater-Holding-Chef am Dienstagvormittag bekannt. „Ich bin überzeugt, dass in sieben Jahren - am Ende ihrer ersten Amtszeit - die Wiener Lotte de Beer in ihr Herz geschlossen haben werden", freute sich Staatssekretärin Mayer. Sie lobte die „fein nuancierten, aber kraftvollen Konzepte" ihrer Inszenierungen sowie die Performance bei ihren Gesprächen im Auswahlverfahren: "Ihre Ausstrahlung und Überzeugungskraft sind ansteckend." Auch dass sich Lotte de Beer an der Volksoper verstärkt der Operette widmen wolle, habe sie gefreut.

„Ich freue mich riesig“, sagte De Beer. Sie findet, dass Operette in der Zeit der Krise das richtige Genre sei: „Wenn sich die Zeiten ändern, dann ändert sich auch die Art von Kunst, die die Menschen brauchen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Volksoper - das Opernhaus für das Volk - mit ihrer Vielseitigkeit die ideale Bühne in diesen turbulenten Zeiten ist. Mein Bestreben wird es sein, auf die Wienerinnen und Wiener zuzugehen, Brücken zwischen Innovation und Tradition zu bauen und gleichzeitig die Welt zu inspirieren."

Die junge Regisseurin (Jahrgang 1981) ist eine Überraschungskandidatin für den Posten. Es ist die erste Leitung eines großen Opernhauses für die Niederländerin. Sie wird mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet. Sie kündigte an, dass sie einen Musikdirektor an ihrer Seite haben wolle.

"Sie will eine Veränderung haben"

Beworben hatten sich für die Direktion der Volksoper neben de Beer mehr als 30 weitere Interessentinnen und Interessenten - darunter auch der amtierende Hauschef Robert Meyer, der seit 2007 die Volksoper führt und sich erneut um eine Verlängerung seines Vertrags beworben hatte. In einem "Kurier"-Interview hatte Meyer allerdings davon berichtet, im Juli bei einem Termin mit der Staatssekretärin erfahren zu haben, "dass eine Vertragsverlängerung nicht in ihrem Sinn sei. Sie will für die Volksoper eine Veränderung haben."

Hoffnungsvolles Nachwuchstalent

Als Regisseurin hat sich De Beer überraschend schnell in der europäischen Musiktheaterlandschaft etabliert. Und nun folgt mit der Designierung zur neuen Intendant der Wiener Volksoper ab 2022/23 auch der überraschend schnelle Schritt an die Spitze eines Hauses.

Ihre Ausbildung begann de Beer in Maastricht, wo sie zunächst Gesang und Klavier und später Schauspiel studierte. Es folgte der Wechsel ins Regiefach und an die Hochschule der Künste in Amsterdam. Nach dem Abschluss 2009 entdeckte sie Peter Konwitschny, mit dem sie bei mehreren Produktionen zusammenarbeitete, für den deutschsprachigen Raum. An der Oper Leipzig debütierte sie mit "Clara S." von Nicoleta Chatzopoulo und inszenierte u.a. "Das schlaue Füchslein" von Janacek.

Bald stieg de Beer zu einer der hoffnungsvollen Nachwuchstalente auf, was sich nicht zuletzt mit der Ehrung in der Kategorie "Newcomer" bei den International Opera Awards in London 2015 niederschlug. Auch gründete de Beer bereits 2010 mit dem Projekt Operafront ihre eigene Kompanie, die an wechselnden Orten das Genre nicht zuletzt für ein junges Publikum zugänglich machen will. 2018 erhielt sie den "Distinguished Artist Award" der International Society for the Performing Arts (ISPA), 2020 war sie bei den International Opera Awards in der Kategorie "Best Director" nominiert.

Auch in Österreich Regie geführt

Als Regisseurin war sie alsbald in Stuttgart wie in Leipzig, in Amsterdam wie in Kopenhagen oder an der Bayerischen Staatsoper in München tätig. Dabei inszenierte sie u.a. "Hänsel und Gretel" von Humperdinck in Amsterdam, "Boulevard Solitude" von Henze in Kopenhagen, Mozarts "Così fan tutte" in Braunschweig, "Die arabische Prinzessin" und Alban Bergs "Lulu" an der Oper Leipzig, "Carmen" am Aalto-Theater Essen und "Der fliegende Holländer" an der Malmö Opera. Für das kommende Frühjahr ist eine "Aida" in Paris angesetzt. Händels "Alcina" ist ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein.

Und auch in Österreich hat de Beer bereits mehrfach als Regisseurin reüssiert. 2013 gab sie ihren Einstand an der Kammeroper mit einer berührend-aktualisierten "Boheme", der 2016 eine "Traviata" folgte und im Theater an der Wien zunächst eine "Pecheurs des perles" (2014) und zuletzt im Vorjahr eine "Jungfrau von Orleans". Und bei den Bregenzer Festspielen legte sie 2017 mit Rossinis "Mose in Egitto" samt Puppenunterstützung eine spannende Hausoper vor.

 

(APA/Red.)