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Hunderttausende Seeleute dürfen wegen Corona seit Monaten nicht an Land

Im Juli waren die französische CMA CGM Rossini (vorne) und das Hongkonger Frachtschiff Darya Ganga (Hintergrund) wegen Covid-Infektionen unter Quarantäne gestellt worden. Hongkong hat darauhin jeglichen Crew-Wechsel in seinem Hoheitsgebiet untersagt.
Im Juli waren die französische CMA CGM Rossini (vorne) und das Hongkonger Frachtschiff Darya Ganga (Hintergrund) wegen Covid-Infektionen unter Quarantäne gestellt worden. Hongkong hat daraufhin jeglichen Crew-Wechsel in seinem Hoheitsgebiet untersagt.APA/AFP/DANIEL SUEN
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Internationale Standards würden maximal elf Monate durchgehend auf See erlauben. Doch die Coronavirus-Maßnahmen vieler Länder machen einen Landgang unmöglich, kritisiert die UNO.

Rund 400.000 Seeleute dürfen wegen der Corona-Reiserestriktionen nicht an Land kommen und sind teils seit 17 oder mehr Monaten auf See. Das UN-Büro für Menschenrechte verurteilte das am Dienstag in Genf als unmenschlich. Die Verträge der meisten von ihnen seien bereits ausgelaufen, doch sie dürfen nicht an Land. Und auch die Crew, die sie ablösen sollte, kann in vielen Fällen nicht an den dafür notwendigen Zielort.

Internationale Arbeitsstandards erlauben einen ununterbrochenen Aufenthalt an Bord von höchstens elf Monaten. Das Büro appellierte an alle Regierungen, Lösungen zu finden. Es rief auch die Unternehmen weltweit, die mit der Schiffsfracht Geschäfte machen, auf, Druck zu machen. Das betreffe 90 Prozent des Welthandels.

Seeleute sollen als „Schlüsselarbeiter“ gelten

Betroffen seien Seeleute auf Container- und anderen Frachtschiffen, aber auch auf Fischkuttern sowie Öl- und Gasplattformen. Die seelische Gesundheit der Menschen würde beeinträchtigt, ebenso wie die Menschenrechte auf Bewegungsfreiheit und das Recht auf ein Familienleben. Gewerkschaften hätten vorgeschlagen, diese Seeleute als "Schlüsselarbeiter" zu deklarieren, für die weniger strikte Reisebeschränkungen gelten. Abgesehen von den festsitzenden Seeleuten dürften mangels Crew-Rotation auch an Land rund 400.000 Seeleute sein, die nicht zu ihren Arbeitsplätzen kommen und folglich kein Geld verdienen können.

Der Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), Kitack Lim, warnte schon Ende September vor einer „humanitären“ Katastrophe. „Seeleute können nicht unendlich lange auf See bleiben. Wenn die Krise der Besatzungswechsel nicht bald gelöst wird, werden Schiffe nicht mehr gemäß den Vorschriften und Richtlinien der Organisation sicher operieren können, was die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie weiter verschärft“, erklärte er. Die Schifffahrt mache mehr als 80 Prozent des Welthandels aus, ist in dem Statement der Organisation zu lesen.

(APA/dpa/klepa)